Psychosoziale Notfallbetreuung (PSNV)

Name: Martino Holl

Alter: 62

Verband: Regionalverband Stuttgart

Tätigkeitsbereich & Funktion: PSNV, Kriseninterventionshelfer (KIT-Stuttgart)

Dabei seit: Mai 2019

Dieser Einsatz hat mich auch demütig gemacht – innezuhalten und zu sehen, wie gut es uns als nicht Betroffene geht.

Die Aufgaben der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) sind die Gesamtheit aller Aktionen und Vorkehrungen, die getroffen werden, um Einsatzkräften (PSNV E (Einsatzkräfte)) und notfallbetroffenen Personen wie Patienten, Angehörigen, Hinterbliebenen, Augenzeugen und Ersthelfern (PSNV B (Betroffene, Bevölkerung)) im Bereich der psychosozialen Be- und Verarbeitung von Notfällen zu helfen.

Als Kriseninterventionshelfer beim KIT-Stuttgart helfe ich Menschen unmittelbar nach einem stark belastenden Ereignis zu betreuen. Etwa Angehörige nach einem plötzlichen Todesfall oder während der Reanimation eines nahestehenden Menschen, Opfer von Gewalttaten oder Augenzeugen eines schockierenden Ereignisses. Für die Betroffenen da zu sein, sie zu unterstützen, ihnen zuzuhören, sie zum Handeln zu animieren und ihnen zu helfen, ihr soziales Netzwerk zu aktivieren.  Ich bin stolz, dass ich ein Teil des Stuttgarter Kriseninterventions-Teams (KIT – Stuttgart) sein kann und die Kraft habe, dieses Ehrenamt auszuüben.

Ich engagiere mich ehrenamtlich im Bereich als Kriseninterventionshelfer bei den Johannitern, weil …

ich ein Ehrenamt ausüben möchte, bei dem ich anderen Menschen helfen kann.

Meine Aufgaben beim Hochwassereinsatz waren ...

einerseits Betroffene zu betreuen, die selber oder deren Angehörige Hilfe über den Rettungsdienst, die Polizei oder die Kirche angefordert hatten. Andererseits auch einfach für die betroffene Bevölkerung ansprechbar zu sein, für den Fall, dass Gespräche gewünscht wurden.  

Besonders berührt war ich bei einem Einsatz bei einer über achtzigjährigen Dame, die nur noch den ersten Stock ihres Einfamilienhauses bewohnen konnte. Alles was in ihrem Garten, im Keller und Erdgeschoss war, wurde vernichtet. Als wir bei ihr waren, wurden gerade sämtliche Böden und der Gips an den Wänden durch freiwillige Helfer entfernt, damit alles wieder trocknen konnte. Die Dame versorgte alle Helfer sehr fürsorglich, gleichzeitig formulierte sie aber ihren großen Zweifel am Sinn des Aufräumens und des Wiederaufbaus, besonders in ihrem hohen Alter. Auch die Angst vor einem erneuten Hochwasser und dem kommenden Winter treibe sie um. Trotzdem gab sie uns zu verstehen, dass es ihr sehr gut getan habe, mit uns über die Ereignisse zu sprechen.

Das Besondere an diesem Einsatz war …

die unfassbare Dimension der Zerstörung, das Fehlen von sonst selbstverständlichen Dingen wie Wasser, Strom, Gas, Abwassersystemen, etc. Aber auch Menschen zu betreuen, die Angehörige, Hab und Gut und ihre Existenz verloren haben und ihre Angst vergessen zu werden, keine Unterstützung mehr zu erhalten und ihre große Angst vor dem bevorstehenden Winter. 

Es tat gut viele Freiwillige anzutreffen, die den Betroffenen ohne Eigennutz halfen und die daraus resultierende Hoffnung, dass den Menschen weiterhin geholfen und diese weiterhin unterstützt werden. Beeindruckt hat mich auch die gute Koordination der Einsatzleitung und Zusammenarbeit mit anderen PSNV- Organisationen.

Wichtig war für mich den Menschen zuzuhören, ihnen wieder eine kleine Perspektive zu geben. Es gab viele Menschen, die das Erlebte noch nicht verarbeitet haben und Hilfe brauchen. Wichtig bei unseren Einsätzen ist es, dass wir Techniken haben, mit denen wir uns selbst schützen können. Als Kriseninterventionshelfer benötig man innere Ruhe und viel Kraft, um den Betroffenen beizustehen. Wir können die Dinge nicht ungeschehen machen, aber dazu beitragen die Menschen wieder in die Handlungsfähigkeit zu bringen. 

Dieser Einsatz hat mich auch demütig gemacht – innezuhalten und zu sehen, wie gut es uns als nicht Betroffene geht.

Bei meiner ehrenamtlichen Tätigkeit motiviert mich am meisten, dass ich Menschen helfen kann, die sich oft in der schlimmsten Situation ihres Lebens befinden.

Das Besondere am Ehrenamt im Bereich als Kriseninterventionshelfer ist für mich …

mit einem tollen und interessanten Team (KIT-Stuttgart) Betroffene zu jeder Zeit zu betreuen.

Mein wichtigstes Instrument/Werkzeug im Einsatz ist …

die Instrumente und Gesprächstechniken anzuwenden, die ich in meiner Ausbildung zum Kriseninterventionshelfer gelernt habe, meine Lebenserfahrung und vor allem Empathie.

Wenn ich nicht bei den Johannitern bin, bin ich …

im Ruhestand, kümmere mich um meine Familie und kann mich intensiv diesem Ehrenamt widmen. Zuvor war ich im Vertrieb einer französischen Bekleidungsfirma als Key Account Manager tätig. 

Mein schönster Moment bei den Johannitern war …

bzw. ist immer der Moment, wenn mir die Betroffenen in den Einsätzen das Gefühl geben, dass es ihnen guttut, dass ich bei ihnen bin und ihnen helfen kann.

Bei meiner ehrenamtlichen Tätigkeit motiviert mich am meisten …

dass ich Menschen helfen kann, die sich oft in der schlimmsten Situation ihres Lebens befinden.