23.01.2026 | Regionalverband Rhein-Main

Kälteschutz trifft Straßenmedizin

Sheltersuit Foundation unterstützt die Johanniter mit Wärmeschutz-Anzügen im Frankfurter Bahnhofsviertel.

In Frankfurt leben insbesondere im Bahnhofsviertel viele Menschen permanent auf der Straße, ohne jeglichen Schutz vor der Witterung. Wenn die Temperaturen, wie dieser Tage stark sinken, wird die Nacht für sie zum Überlebenskampf. Genau hier greift die Kooperation zwischen den Johannitern und der Sheltersuit Foundation: Während der „Pflasterlaster“ – ein zur mobilen Ambulanz umgebauter Rettungswagen – niedrigschwellige medizinische Hilfe zu den Menschen bringt, Wunden versorgt und Infektionen behandelt, liefert der Sheltersuit die physische Hülle gegen das Erfrieren. 

Sheltersuit – Jacke am Tag, Schlafsack in der Nacht, Rucksack to go

Der Sheltersuit ist ein wind- und wasserdichter Parka mit integriertem Schlafsack, der Körperwärme speichert und vor Nässe schützt. Er ist Nothilfe in ihrer reinsten Form: Ein mobiles Zuhause für jene, die keines haben. Die Kombination aus medizinischer Erstversorgung und technischem Kälteschutz ist in diesem Winter ein entscheidender Baustein, um Menschenleben im Bahnhofsviertel zu schützen.

Wohlstand trifft auf extreme Not

„Frankfurt ist eine Stadt voller Kontraste: Wohlstand trifft auf extreme Not. Besonders im Bahnhofsviertel leben Menschen ohne Zuhause – oft krank, verletzt, suchtbelastet oder ohne Zugang zu medizinischer Versorgung. Viele trauen sich nicht in Arztpraxen, andere haben keine Krankenversicherung. Die Folgen: selbst behandelbare Erkrankungen verschlimmern sich, Rettungsdienste, die ohnehin stark frequentiert sind, werden zur einzigen Hilfe, und viele Menschen bleiben unsichtbar. Hier setzt der Pflasterlaster Frankfurt an“, berichtet Oliver Pitsch, Regionalvorstand der Johanniter Rhein-Main und selbst ehrenamtlich auf dem Pflasterlaster aktiv. 

Ehrenamtliches Engagement mit direkter Wirkung

Dass diese Hilfe dringend nötig ist, erleben die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer bei jedem Einsatz. „Wir sehen die Not jede Nacht auf der Straße. Kälte schwächt das Immunsystem, Wunden heilen schlechter, der Körper baut ab“, erklärt Hans von Maltzahn, Vorsitzender der Johanniter-Hilfsgemeinschaft Frankfurt, der die Verteilung mitkoordiniert. „Mit den Sheltersuits können wir den Menschen nicht nur medizinisch helfen, sondern ihnen auch ein Stück Würde und eine warme Nacht schenken. Das Ehrenamt ist hierbei das Rückgrat – unsere Teams gehen dorthin, wo es wehtut, um konkret zu helfen.“

Mission erfüllt 

Auch für den Niederländer Bas Timmer, den Erfinder des Sheltersuits, ist der persönliche Besuch beim Pflasterlaster besonders: „Zu sehen, wie unsere Suits hier direkt in die medizinische Versorgung eingebunden werden, bestätigt unsere Mission. Ein Sheltersuit ersetzt kein Haus, aber er ist die erste Hilfe, die über Leben und Tod entscheiden kann, bis langfristige Lösungen greifen.“

Produziert werden die Suits vollständig aus recycelten Materialien in einer sozialen Werkstatt in den Niederlanden, gefertigt von Menschen, die selbst Flucht- oder Obdachlosigkeitserfahrung haben. Jeder Anzug kostet in der Herstellung 300 Euro und wird rein durch Spenden finanziert. Insgesamt verteilen die Johanniter in diesem Winter 1.000 dieser Anzüge in ganz Deutschland.

Team-Mitglieder und Spenden gesucht

Der Pflasterlaster wird ausschließlich über Spenden finanziert und von ehrenamtlichen Kräften zweimal wöchentlich besetzt. Derzeit werden weitere Kräfte gesucht, um weitere Tage besetzen zu können. Sie verfügen über eine rettungsdienstliche, pflegerische oder ärztliche Ausbildung und möchten sich engagieren? Infos auf www.johanniter.de/rhein-main/pflasterlaster.