Ein Anruf beim ... Schulleiter unserer Altenpflegeschule in Wertheim

Stuttgart, 06. Juli 2020

In der Reihe "Ein Anruf bei..." stellen die Johanniter wöchentlich Kolleginnen und Kollegen vor und wie Corona ihren Alltag, vielleicht auch zum Positiven, verändert hat. Wir beenden die Reihe heute mit: Stefan Dosch. Der Kreisvorstand des KV Main-Tauber arbeitet bereits seit 2007 für die Johanniter und leitet seit 2012 die Altenpflegeschule in Wertheim.

Herr Dosch, wie hat sich Ihr Arbeitsalltag durch Corona verändert?

Was positiv ist, dass ich viel weniger Zeit auf der Autobahn verbringe.  In der Tätigkeit als Kreisvorstand kann ich viele Termine mit GoToMeetings oder Telefonkonferenzen abdecken. Seit Beginn der Corona-Krise ist bei uns allen viel Improvisationstalent gefragt. Unser Schulbetreib hat sich massiv verändert. Bisher hatten wir täglich ca. 50 Schüler*innen und Weiterbildungsteilnehmer*innen an unserer Schule sowie noch die Seminare für die FSJler. Innerhalb einer Woche haben wir alle heimgeschickt und den Bildungsbetrieb auf „Null" runtergefahren. Zeitgleich haben wir quasi übers Wochenende ein Konzept für den Fernunterricht gestrickt und den Schulbetrieb neugestaltet. Es gab eine Flut an Vorgaben und rechtlichen Richtlinien des Kultus- und Sozialministeriums, die umgesetzt werden mussten und manchmal noch am gleichen Tag wieder geändert wurden. Auch war es eine Mammutaufgabe, alle Schüler zu erreichen und immer auf dem neuesten Stand zu halten.

Im Kreisverband haben mich die gleichen Sorgen und Nöte wie meine Vorstandskollegen umgetrieben: Wo bekomme ich genügend Schutzausrüstung für meine Mitarbeiter her und wie schaffe ich es, so gut wie niemanden in Kurzarbeit schicken zu müssen?

Wir sind jetzt auch wieder durchgestartet und haben am 4. Mai bereits den Schulbetreib für die Abschlussklassen hochgefahren, unter Einhaltung aller Hygiene- und Abstandsregelungen. Außerdem arbeiten wir viel mit Mundschutz, denn Sicherheit steht an erster Stelle. Jetzt sind 30 Schüler*innen wieder in der Schule, welche die Helferausbildung abschließen und für die Schüler*innen im Oberkurs haben wir extra einen Raum angemietet um die Abstände einhalten zu können. Es gibt versetzte Pausen für alle Kurse und die Bewerbungen für die neuen Jahrgänge finden im Freien mit viel Abstand auf dem Balkon statt. Unser Pflegedienst hat zum April 2020 viele neue Kunden in einer neuen Tour aufgenommen und dann kam der Lockdown. Auch hier mussten schnell Lösungen gefunden werden.

Es gibt derzeit ja viele Änderungen, beruflich, wie privat.  Beobachten Sie in Ihrem Arbeitsbereich auch positive Veränderungen?

Selbstverständlich: Gerade jetzt bei den digitalen Angeboten sind Sachen denkbar, die früher unmöglich schienen. Die Vernetzung von digitalem Unterricht und Präsenzveranstaltungen hat einen immensen Schub nach vorne erfahren!

Im Herbst beginnen wir mit dem neuen Ausbildungsgang Generalistik. Schon jetzt beschäftigen wir uns daher intensiv mit den neuen Techniken und Plattformen wie Moodle oder „Johanniter lernen“. Es gibt auch immer mehr Elemente in der Ausbildung, die ein selbstständiges Lernen erfordern.

Privat halten mich meine zwei großen und zwei kleinen Kinder auf Trapp. Bei den Großen ist die Umstellung der Lehre im Studium auf digitale Angebote eine Herausforderung und die Kleinen sind im „homeschooling“ gefordert. Meine Frau und ich sind zwar beide Pädagogen, aber das hilft manchmal auch nicht weiter (lacht!).

Wie gehen Sie persönlich mit der Corona-Pandemie um?

Ich halte mich an die Richtlinien und desinfiziere lieber einmal mehr einen Arbeitsplatz als zu wenig. Ebenso halte ich mich an das Kontaktverbot und die Abstandsregelungen. Ansonsten bin ich viel mit meiner Familie zusammen und nutze die Zeit auch intensiver. Es gibt ja auch keine Außentermine der Kinder mehr wie Musikschule oder Fußballspiele am Samstag.

Was ist Ihr „Mutmacher“ für die kommenden Tage und Wochen?

Die Improvisation und die damit eingehende Veränderung motiviert auch meine Mitarbeiter. Ich habe ein tolles Team, das voll hinter mir steht, selbstständig an Lösungen arbeitet und mitdenkt. Im Moment geht unheimlich viel und wir konnten im Bereich „Generalistik“ schon einiges umsetzen und konzeptionell erarbeiten. Auch die Mitarbeiter*innen im Homeoffice leisten einen wertvollen Beitrag! Wir wechseln uns mit den Präsenzphasen ab, so dass jeder mal wieder ins Büro kommen kann.

Wenn Sie nicht arbeiten müssen, womit beschäftigen Sie sich dann derzeit am liebsten?

Ich bin gleich in den Baumarkt und habe Sachen besorgt um eine eventuelle Quarantänephase auch außerberuflich sinnvoll nutzen zu können. Allerdings bin ich doch nicht weit gekommen...  Abends mache ich gern Musik und übe im Moment viel, die Proben und Auftritte entfallen ja leider. Und ich mache immer noch kein Yoga.

Das muss mal gesagt werden!

Das habe ich zwar schon gesagt, aber man kann es nicht oft genug sagen: Ich habe ein tolles Team!  Meine Mitarbeiter*innen stehen alle hinter mir! Und ich bin dankbar, dass ich niemanden in Kurzarbeit schicken musste – wir konnten viel über Urlaub, Minusstunden oder notwendige Renovierungs- und Umbaumaßnahmen abfedern. Und ich bin dankbar, dass wir viel zu tun haben und jetzt ein Aufwärtstrend erkennbar ist – das ist in der jetzigen Situation sehr viel wert!  

Danke, für das Gespräch!

Die neue Pflegefachausbildung

Die neue, generalistische Pflegefachausbildung soll Auszubildende zur Pflege von Menschen aller Altersstufen in allen Versorgungsbereichen befähigen. Mit dem Erhalt des Abschlusses ist ein Einsatz in allen stationären und ambulanten Einrichtungen der Gesundheitsversorgung möglich. Auch ist er in allen Ländern der Europäischen Union anerkannt. Weiterhin regelt das neue Gesetz erstmals, dass bestimmte Tätigkeiten ausschließlich der professionellen Pflege vorbehalten sind. Auch hiermit wird die Attraktivität des Berufes gesteigert. Ausbildungsstellen und weitere Informationen gibt es unter:
www.johanniter.de/pflegeausbildung

Ihr Ansprechpartner Servicecenter Süd

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