Ansprache von Hans-Peter von Kirchbach, zum 70. Geburtstag von Dr. Arnold von Rümker, ehrenamtliches Mitglied des Bundesvorstandes

- gehalten am 06. Juli 2012 in Potsdam anlässlich eines Abendessens des Präsidiums zu Ehren von Herrn Dr. von Rümker

 

 

Lieber Arnold,

 

vor wenigen Tagen konntest Du Deinen 70. Geburtstag begehen. Viele Menschen haben Dir gratuliert, Du hast im Rahmen Deiner Familie und  zusammen mit Deinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der BG bereits gefeiert. Nun ziehen wir nach. Wir, das Präsidium, der Bundesvorstand, und der ganze Kreis, der von Dir heute vorgeschlagenen Gäste wollen Dir von Herzen gratulieren. Wir wollen Dir danken und Dir Gottes Segen wünschen für alles, was vor Dir liegt.

 

Ein besonderer Lebensweg

Du bist in Breslau geboren, hast in Neubeuern bei Rosenheim das Abitur gemacht, hast danach Landwirtschaft gelernt und studiert. Du hast ein Praktikum bei der EU gemacht, zum Thema „Die Organisation Bäuerlicher Betriebe in der Zentraluferregion Malawis“ 1972 promoviert.

Deine berufliche Tätigkeit führte Dich zur GTZ, danach zur Weltbank, wo es Dir aufgegeben war, die Wirksamkeit von Projekten zu planen, zu bewerten und zu überwachen. Der Weg führte zur GTZ zurück, Du warst Fachbereichsleiter, Abteilungsleiter für Saudi Arabien, verantwortlich für die Rekrutierung von Nachwuchs, und schließlich Abteilungseiter für den Personalbereich. Dies kam uns vor wenigen Wochen zugute, als wir eine personelle Notlage in Brüssel mit Deiner Hilfe in einer Woche lösen konnten.

 

Du bist 1989 in den Orden aufgenommen worden, wurdest 1998 Rechtsritter und warst von 1995 bis 2004 Leiter der Subkommende in Bad Homburg. Im Übrigen warst Du auch 10 Jahre lang Kirchenvorstand in der Gedächtniskirchengemeinde Bad Homburg.

 

Nach dem Umzug Deiner Familie nach Berlin, führte Dich Dein Weg schnell in die JUH, Du hast Dich als ehrenamtlicher Vorstand Berlin/Brandenburg rufen lassen und warst sofort bereit nach dem tragischen Tod von Rainer Lensing seine Nachfolge anzutreten.

 

Verantwortung übernehmen

Ich habe bewusst formuliert, Du hast Dich rufen lassen, weil Du Dich für keines der von Dir ausgeübten Ämter beworben hast. Zweimal haben wir beide über Ämter gesprochen, die Dir die JUH anvertrauen wollte. Ich verrate wohl ein offenes Geheimnis, wenn ich verrate, dass wir auch im Moment wieder in einem guten Dialog sind.

Du hast Dich rufen lassen, weil es Dir Freude macht, Verantwortung zu übernehmen, auf Deine ganz eigene Art und Weise. Du hast Dich rufen lassen, weil es Dir nie gereicht hat, die Erfüllung des johanniterlichen Lebens nur in der Subkommende zu suchen. Die Aufgabe der Ordenswerke  und insbesondere der JUH, praktische Hilfe auf der Grundlage unseres Glaubens zu leisten, fasziniert Dich.

Du hast Dir die Aufgabe zu eigen gemacht, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die nicht in dieser christlichen Tradition stehen, zu helfen, in sie hineinzuwachsen.

Du hast Dich in die Verantwortung rufen lassen, weil Du Freude hast, Dinge zu gestalten, weil Dir die Aufgaben Freude machen, weil Du immer die passenden Teams vorgefunden hast, Frau Radicione und Herrn Lüssem in Berlin/Brandenburg, Herrn Rohleder und Herrn Gengenbach sowie die Damen und Herren des Präsidiums der JUH auf der Bundesebene.

Du hast Dich zum Engagement rufen lassen und Verantwortung übernommen, weil Dir der Sinn dieses Tuns bewusst ist. In einem Vortrag in Bonn Du dies am Leitbild der JUH festgemacht.

Du hast in diesem Vortrag ausgeführt und ich zitiere jetzt:

Nächstenliebe ist auf Handeln bezogen und beschränkt sich nicht auf ein Gefühl der Sympathie oder emotionales Gestimmt sein. …… Die praktische Umsetzung der Nächstenliebe ist Barmherzigkeit. Jeder ist aufgefordert, sich nach seinen eigenen Fähigkeiten und Talenten einzusetzen und sich dabei in die Bedürfnisse des Notleidenden hineinzuversetzen.“  Du lebst vor, was das heißt.

 

Freundlichkeit und Selbstbewusstsein

Du hast eine Fähigkeit, Menschen zu gewinnen. Dies liegt m.E. daran, dass Du Menschen gerne hast. Mit Offenheit und Freundlichkeit, jederzeit zum offenen Dialog bereit, trittst Du Menschen gegenüber und in der Regel mögen sie Dich.

Dabei liegt allerdings grundfalsch, wer die ausstrahlende Freundlichkeit mit mangelndem Selbstbewusstsein oder Behauptungswillen verwechselt. Da hat sich schon mancher getäuscht.

Ich war und bin Dir zum Beispiel dankbar, dass Du es selbst in die Hand genommen hast, unsere Probleme in Pakistan zu lösen, weil andere dazu nicht in der Lage waren. An unser Gespräch im Vorfeld - ich war zu dieser Zeit in einem Zedernwald in der Provence - denke ich dankbar zurück.

 

Führung auszuüben verlangt gelegentlich harte Entscheidungen um des Wohls der Organisation willen zu treffen, im Sturm zu stehen, Kritik auszuhalten, sich konsequent durchzusetzen in der Erkenntnis, dass man es häufig nicht allen recht machen kann.

Bereitschaft zum Dialog, Bereitschaft, auf andere zu hören, Bereitschaft, die eigene Meinung zu vertreten, Bereitschaft, hin und wieder auch harte Entscheidungen zu treffen, um die keine Führungspersönlichkeit herum kommt, dies alles aber nicht zum eigenen Ruhm sondern um des Wohls der Organisation willen, all diese Eigenschaften vereinen sich bei Dir in glücklicher Weise.

Deine oft aus der Erfahrung gewachsene, abgewogene Meinung, von Clausewitz als Takt des Urteils bezeichnet, befähigt Dich in besonderer Weise, unsere Ziele mit anderen zusammen zu erreichen.

 

JUH und Orden

Du bist ein überzeugter und überzeugender Ordensritter.

Du bist in gleicher Weise eine überzeugte und überzeugende Führungspersönlichkeit in der JUH.

Dabei ist Dir bewusst, dass Orden und JUH aufeinander angewiesen sind. Wir sind ein Kind des Ordens, ein erwachsenes Kind allerdings, aber ohne den Orden, ohne den geistigen Hintergrund wären wir im Reigen der Hilfsorganisationen verwechselbar.

Andrerseits kann nicht verleugnet werden, dass es bedingt durch die unterschiedliche Art Probleme zu lösen, durch die unterschiedliche Struktur, durch die demokratische Art der JUH, Entscheidungen herbeizuführen, durch die gelebte Subsidiarität auch Spannungen geben kann.

Dies kann Dich und uns nicht verunsichern. Du jedenfalls hast es Dir zur Aufgabe gemacht, in der JUH für den Orden, im Orden für die JUH zu werben.

Du forderst den gemeinsamen Weg und ich zitiere Dich jetzt frei und verkürzt:

Dieser gemeinsame Weg kann nur gefunden werden, wenn die Interessen des Ordens und der Werke, die für ihr wirtschaftliches Ergebnis im immer schwieriger werdenden Umfeld verantwortlich sind, nicht nur unter Aspekten von Ordensdisziplin sondern auch mit fachlichen Argumenten und auf professionelle Weise ausgetragen werden.

Die runden Tische können jenseits der Regelung der Zusammenarbeit vor Ort, dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

Wir sind aufeinander angewiesen, Du leistest in Orden und JUH Deinen Beitrag, dass dies so bleibt.

 

In die Zukunft

Lieber Arnold, 70 Jahre bist Du nun alt, dies kann schon ein Einschnitt sein. Die Endlichkeit wird einem mit jedem vollendeten Jahrzehnt bewusster. 70 Jahre, das ist beeindruckende Vergangenheit, 70 Jahre, das ist aber auch lockende Zukunft, das ist weiteres Wachsen, das ist auch Dankbarkeit und Freude.

Wir sind dankbar, wir freuen uns mit Dir, wir wollen weiter mit Dir arbeiten und zusammen sein. Wir sind dankbar, für alle geschenkte Gemeinsamkeit, für Dein vergangenes Engagement und für das Engagement, das Du in Zukunft eingehen willst.

 

Alles Gute und Gottes Segen!