Rettungshunde mit dem richtigen Riecher

Rosdorf (Landkreis Göttingen) , 17. November 2018

Rettungshundestaffel Südniedersachsen organisiert Mantrailer-Prüfung in Göttingen

Im Einsatzfall geht es um Menschenleben: Die Prüfung für die so genannten Mantrailer und ihre Hundeführer ist deshalb sehr anspruchsvoll. Die Rettungshundestaffel Südniedersachsen richtete am 17. und 18. November diese Prüfung zum ersten Mal aus. Insgesamt acht Teams aus Potsdam, Vogelsberg, Essen, Schleswig, Nordbrandenburg, Schwabmünchen und Ostthüringen haben sich der Prüfung gestellt - fünf von ihnen waren erfolgreich. Unter anderem in Niedersachsen erfolgt im Anschluss noch eine erfolgreich zu absolvierende Einsatzüberprüfung (Zertifizierung) durch die Polizei, erst dann kann das Hund-Mensch-Team für Such- und Rettungseinsätze in der Suche nach Vermissten eingesetzt werden.

Die Firma Labotect aus Rosdorf hat ihre Räumlichkeiten für die Prüfung zur Verfügung gestellt. Hier konnte am Samstag- und Sonntagvormittag unter anderem der Theorieteil für die Zweibeiner stattfinden. Die Hundeführer beantworteten Fragen rund um die Themen Erste Hilfe an Mensch und Tier, Einsatztaktik, Wetterkunde und Umgang mit Karte und Kompass. Im praktischen Prüfungsteil mussten die Hund-Mensch-Teams binnen einer Stunde eine vermisste Person aufspüren. Dafür stand den Spürnasen ein Geruchsträger, wie z.B. ein Kleidungsstück, mit dem Individualgeruch der zu suchenden Person zur Verfügung. Rund um Göttingen wurden die Trails gelegt. Für die Mantrailerprüfung muss der rund 2,5 Kilometer lange Trail bereits 24 Stunden alt sein. "Die Prüfungstrails werden so ausgelegt, wie man es für eine reale Einsatzlage auch erwarten könnte", erläutert Prüfer Gregor Adam. Etwa die Hälfte der Geruchspur führte die Rettungshundeteams durch städtisches Gebiet, über Kreuzungen und befahrene Straßen, die andere Hälfte verlief durch Feld, Wald und Flur. Wie im Realfall durften sich die Vierbeiner durch nichts von ihrer konzentrierten Arbeit ablenken lassen: weder durch Passanten, noch durch andere Hunde oder interessante Gerüche. „Hier können nur Mensch-Hund-Teams bestehen, die perfekt zusammenarbeiten", so Adam.

Der Prüfungsorganisator Dennis Rathmann freut sich über die gelungene Prüfung: "Wir sind sehr zufrieden mit unserer Premiere. Jeder Trail hat seine eigenen Herausforderungen – da müssen Mensch und Tier optimal aufeinander abgestimmt sein. Die Teams haben die Prüfung gut gemeistert und sind damit eine wichtige Säule unserer Rettungshundearbeit."

Mantrailer werden in der Regel eingesetzt, um die sogenannte Verschwinderichtung der vermissten Person aufzuspüren. Damit ist es möglich, die weiträumig suchenden Flächenhunde gezielter einzusetzen, um in großen Gebieten eine mögliche Eingrenzung der Suchbereiche zu erhalten. Gerade das Zusammenspiel zwischen Mantrailer und Flächensuchhunden steigert die Effizienz bei der Vermisstensuche. Je nach Situation und Einsatzlage, kann es jedoch erforderlich sein ausschließlich Mantrailer oder Flächensuchhunde bei der Vermisstensuche einzusetzen. "Flächenhunde und Maintrailer werden vor allem bei der Suche nach vermissten Menschen eingesetzt, die z.B. demenziell verändert sind, einen möglichen Suizid planen, nach einem Autounfall im Schockzustand herumirren oder bei kleinen Kindern, die sich verlaufen haben", erklärt Dr. Bettina König, Staffelleiterin aus Südniedersachsen.

"Wir danken allen Beteiligten für die tolle Organisation! Besonders die Prüfer haben unsere Staffel mit ihrem Sachverstand, aber auch mit ihrem Herzblut und mit viel Freude bei der Durchführung der Prüfung tatkräftig unterstützt. Auch die Verpflegung, die von den Johannitern aus Bad Gandersheim übernommen wurde, war wieder einmal hervorragend."

Über die ehrenamtliche Rettungshundearbeit:
Die Johanniter-Rettungshundestaffeln sind an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr einsatzbereit. Als Fachdienst im Rahmen des Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes betreiben die nach DIN 13050 zertifizierten Rettungshundeteams in Zusammenarbeit mit der Polizei und den Feuerwehren die Personensuche nach Vermissten. Man unterscheidet zwischen Flächensuchhunden, Trümmersuchhunden und Mantrailern. Nur mit gültiger Zertifizierung dürfen die Rettungshundeteams in den Einsatz gehen. Die Staffeln werden über die jeweilige Leitstelle angefordert. Die Arbeit der Rettungshundestaffeln erfolgt ehrenamtlich und ist auf Spenden angewiesen. Die Ausbildung zum Rettungshund dauert rund zwei Jahre und wird mit der Rettungshundeprüfung abgeschlossen, die alle 24 Monate aufgefrischt werden muss.

 

Fotos: Maike und Daniela Müller und Friederike Fleitmann