Auf der Bahn

Stefan Greiber - Ahlhorn, 18. Juni 2020

Unfall auf der Autobahn A1 in der Nähe von Stuhr. Sofort staut sich der Verkehr, die Autos stehen auf drei Spuren dicht an dicht. Mühsam bildet sich eine Rettungsgasse, immer wieder blockieren einzelne Autofahrer, die das eigentlich kinderleichte und lebensrettende System entweder nicht verstanden haben oder schlicht ignorieren, die Gasse. Plötzlich brausen zwei Motorräder mit Blaulicht heran, schlängeln sich durch den Stau und erreichen als erste die Unfallstelle. Heiner Terwey steigt ab, erkundigt sich bei den Unfallbeteiligten nach deren Verfassung. Nur Blechschäden, keine Verletzten. Aber die A1, eine der Hauptschlagadern des Verkehrs in Deutschland, ist erstmal dicht. Terwey und sein Kollege machen sich mit der Polizei daran, die Unfallstelle abzusichern und die anderen Autofahrer vorbei zu lotsen, während sie auf den Abschleppwagen warten.

Die Johanniter-Motorradstaffel ersetzt zwar keinen Rettungswagen, aber im Notfall können sie schneller am Einsatzort sein. „Als sanitätsdienstlich ausgebildete Fahrer und mit der an Bord befindlichen Ausrüstung können wir eine Erste Hilfe Plus sicherstellen“, betont Terwey. Hauptaufgabe aber ist es, im Stau für Ordnung zu sorgen. Durch die enge Zusammenarbeit mit der Polizei können die Fahrer sofort und jederzeit eine qualifizierte Aussage zum Geschehen vor Ort machen. Wichtig sei auch, die Rettungsgasse frei zu machen und bei den wartenden Autofahrern nach dem Rechten zu schauen. „Wenn im Sommer die Sonne auf ein stehendes Auto knallt, kann es darin mal locker 50, 60 Grad heiß werden“, erklärt Terwey. Deshalb haben die Fahrer auch immer Wasser dabei und lotsen zur Not auch mal ein Fahrzeug aus dem Stau heraus.

Terwey ist seit vier Jahren Mitglied der ehrenamtlichen Motorradstaffel. Als der 54-Jährige bei einem Termin beim TÜV in Oldenburg warten musste, fiel ihm ein Flyer der Ahlhorner Staffel in die Hände. Er schaute rein und wurde neugierig. Der kurz zuvor pensionierte Oberstabsfeldwebel der Bundeswehr war sowieso gerade auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung. „Die Motorradstaffel bot mir die Möglichkeit, meine Leidenschaft für das Motorrad fahren mit dem Wunsch, anderen Menschen zu helfen, zu verbinden“, erklärt er. Seit Anfang des Jahres ist er stellvertretender Staffelleiter und kümmert sich auch um die Einweisung neuer Helfer. Zurzeit besteht die Staffel aus 17 Fahrern und einer Fahrerin, davon sind fünf in Ausbildung. Neben dem notwendigen Motorradführerschein und mindestens zwei Jahren Fahrerfahrung müssen Interessierte nichts mitbringen, die sanitätsdienstliche Ausbildung ist fester Bestandteil der Vorbereitung für den Dienst in der Motorradstaffel.

Normalerweise startet die Motorradstaffel zu Ostern in die Saison. Da zu Beginn der Beschränkungen des öffentlichen Lebens zur Bekämpfung der Corona-Pandemie die Staffel nicht ausrücken durfte, verschob sich der Termin auf Himmelfahrt. „Wir hatten ein schlechtes Gefühl, weil wir zuhause bleiben mussten“, gesteht Heiner Terwey. Verständnis für die Anordnung hatten die Fahrer, zumal die Staffel für den Einsatz im Katastrophenfall vorgehalten wurde, der aber zum Glück nicht eintraf. „Aber das Warten war schlimmer als draußen auf der Bahn zu sein und zu helfen.“ Dass sie sich bei den Einsätzen selber der Gefahr der Ansteckung aussetzen, ist Terwey und seinen Kameraden durchaus bewusst. Daran gedacht, deshalb nicht rauszufahren, hatte er aber zu keiner Zeit. „Wir machen das zwar alles ehrenamtlich und freiwillig, aber unser Auftrag ist sehr wichtig und wir wissen, dass wir gebraucht werden.“ Das zeigen auch die Reaktionen von Autofahrern, wenn sie den Rettern auf zwei Rädern begegnen. „Viele winken uns zu und da gibt es schon mal den Daumen hoch“, sagt Terwey.

Ganz wichtig sei die Unterstützung der Familie. Ehefrau und die beiden erwachsenen Töchter finden es gut, was Papa macht. Dafür verzichten sie auch am Wochenende gerne mal auf ihn. „Anders würde es auch nicht funktionieren“, betont Terwey. Angst wegen Corona hat die Familie nicht um ihn und seine Kameraden. „In der Staffel passen wir ohnehin gegenseitig aufeinander auf, jetzt sogar noch mehr als sonst.“ Zudem haben alle Motorräder Hygienematerial an Bord, der Selbstschutz ist sowieso Teil der Ausbildung und für die aktuellen Einsätze wurde von staatlichen geprüften Desinfektoren ein eigenes Hygienekonzept entwickelt. „Wir sind gut geschützt. Da kann nichts passieren“, versichert Terwey, steigt auf seine Maschine und braust wieder davon - auf der Suche nach dem nächsten Stau.

Wir sind weiter für Euch da!
Viele Helferinnen und Helfer zwischen Weser und Ems standen und stehen auch in der Pandemie bereit, um in ihren Diensten Hilfe zu leisten. Mit Ihrer Spende unterstützen Sie die Ausrüstung und Ausbildung der Ehrenamtlichen und sorgen dafür, dass sie auch morgen ausrücken können, wenn Hilfe gebraucht wird.

Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.
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Stichwort: „Weiter für Euch da“

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