Johanniter üben die Versorgung Schwerverletzter
Realistische Unfallszenarien beim Traumatag der Johanniter-Bereitschaft Lechfeld
Ein Auto steht mit eingeschalteter Warnblinkanlage auf der Straße. Davor liegt ein bewusstloser Mensch. Eine aufgeregte Person kommt den Einsatzkräften entgegen und ruft: „Ich habe einen Menschen angefahren!“ Was wie ein echter Notfall aussieht, ist eine Übung. Doch die Herausforderung für die Helferinnen und Helfer ist real: Sie müssen die Situation rasch erfassen, lebensbedrohliche Verletzungen erkennen und gemeinsam die nächsten Schritte einleiten.
Mit solchen Szenarien beschäftigten sich die Teilnehmenden am 17. Oktober 2026 beim Traumatag der Johanniter-Bereitschaft Lechfeld. Die Einsatzkräfte der Bereitschaft engagieren sich ausschließlich ehrenamtlich. Die Bereitschaft finanziert sich dabei fast ausschließlich aus Spenden. Einen ganzen Tag lang trainierten sie an drei Stationen die Versorgung verletzter Menschen. Neben dem Verkehrsunfall in einem Wohngebiet galt es, eine gestürzte Person in einer Kfz-Werkstatt und eine Patientin mit einer Kettensägenverletzung in einem Garten zu versorgen. Die Werkstatt wurde dafür freundlicherweise von der Firma Zienecker zur Verfügung gestellt.
Vom Alarm bis zur Versorgung
Die Übung begann bereits mit der Alarmierung: Eine eigens entwickelte Software simulierte die Funktion einer Rettungsleitstelle. So konnten die Teilnehmenden auch die Abläufe von der Einsatzmeldung bis zur Rückmeldung an die Leitstelle sowie die Kommunikation über Funk üben. Die Integrierte Leitstelle Augsburg stellte dafür einen gesonderten Digitalfunk-Kanal bereit. Damit gehörten nicht nur die medizinische Versorgung, sondern auch die Abstimmung zwischen den Einsatzkräften und der simulierten Leitstelle zum Training.
Geschminkte Verletzungen und überzeugende Darstellung
Für möglichst wirklichkeitsnahe Bedingungen sorgte die Einheit Realistische Unfalldarstellung, kurz RUD. Ihre Darstellerinnen und Darsteller übernahmen die Rollen der Verletzten. Geschminkte Wunden und ein zur jeweiligen Situation passendes Verhalten machten die Übungsszenarien anschaulich.
Die Einsatzkräfte bekamen dadurch keine fertige Beschreibung aller Verletzungen. Stattdessen mussten sie sich selbst einen Überblick verschaffen, die Betroffenen untersuchen und auf deren Zustand eingehen. Auch der Umgang mit aufgeregten Beteiligten gehörte zum Übungsgeschehen.
Lebensbedrohliche Probleme zuerst erkennen
Im Mittelpunkt stand ein klar festgelegter Untersuchungsablauf, in der Notfallmedizin als xABCDE-Schema bezeichnet. Er hilft den Einsatzkräften, lebensbedrohliche Probleme in einer festen Reihenfolge zu erkennen und zu behandeln. Dazu zählen beispielsweise starke Blutungen sowie Störungen der Atmung und des Kreislaufs.
Ebenso wichtig war die Teamarbeit: Wer übernimmt welche Aufgabe? Welche Beobachtungen müssen sofort weitergegeben werden? Und welche Maßnahme hat Vorrang? Die Teams übten, sich abzustimmen und auch in unübersichtlichen Situationen strukturiert vorzugehen.
Nach jedem Durchlauf besprachen die Beteiligten ihre Entscheidungen und Abläufe. Dabei konnten sie reflektieren, was gut funktioniert hatte und wo sich die Zusammenarbeit noch verbessern ließ.
Ob auf der Straße, in der Werkstatt oder im Garten: Die unterschiedlichen Szenarien boten zahlreiche Gelegenheiten, das eigene Vorgehen zu überprüfen und Erfahrungen für künftige Einsätze mitzunehmen. Denn genau darum ging es an diesem Tag: unter realistischen Bedingungen zu üben, damit im Ernstfall jeder Handgriff und jede Absprache möglichst sicher sitzen.
Mitmachen auch ohne Vorkenntnisse
Die Johanniter-Bereitschaft Lechfeld sucht weitere aktive Mitglieder, die sich ehrenamtlich engagieren möchten. Medizinisches Vorwissen ist nicht erforderlich: Die Johanniter bieten die nötige Ausbildung zur Sanitäterin oder zum Sanitäter an und bereiten neue Mitglieder auf ihre Aufgaben vor. Interessierte können sich bei der Bereitschaftsleitung melden. Gerne telefonisch unter 08232-9954406 oder per E-Mail unter bereitschaft.lechfeld(at)johanniter.de. Weitere Infos erhalten Sie online unter www.johanniter.de/bereitschaft-lechfeld