05.02.2026 | Johanniter-Schwesternschaft e.V.

Kongress Pflege 2026

30. und 31.01.2026 Berlin

Der Kongress bot eine wertvolle Plattform, um aktuelle und zukünftige Herausforderungen in der Pflege zu diskutieren, darunter die Fachkräfteentwicklung, berufliche Qualifizierung, Arbeitsbedingungen sowie Innovationen im Gesundheitswesen. Zudem ermöglichte er einen intensiven Austausch mit Fach- und Führungskräften aus verschiedenen Bereichen.

Das Thema Kompetenzerweiterung und politische Implikationen standen im Vordergrund verschiedener Module. 

Pflegefachpersonen erhalten künftig mehr Kompetenzen: Sie dürfen bestimmte heilkundliche Tätigkeiten, die bisher Ärzten vorbehalten waren, eigenständig ausüben und abrechnen. Möglich macht dies das neue Pflegegesetz BEEP („Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege“), das zum 1. Januar 2026 in Kraft getreten ist und unter anderem auf dem Kongress Pflege 2026 sowie dem Deutschen Pflege-Recht-Tag thematisiert wurde. So können qualifizierte Pflegefachpersonen künftig beispielsweise die Versorgung chronischer Wunden sowie Aufgaben in der Betreuung von Menschen mit Diabetes oder Demenz übernehmen – auf Basis einer eigenen fachlichen Diagnose oder nach ärztlicher Erstdiagnose. Zudem sind sie befugt, eine Pflegebedürftigkeit festzustellen und verbindliche Empfehlungen für Hilfsmittel in der häuslichen Krankenpflege und der außerklinischen Intensivpflege auszusprechen.

Die Vorbehaltsaufgaben der Pflege, insbesondere die Verantwortung für den Pflegeprozess, bleiben ausschließlich Pflegefachpersonen vorbehalten – auch gegenüber Ärztinnen und Ärzten. Viele Details der neuen Befugnisse, etwa zur Notwendigkeit ärztlicher Erstdiagnosen, müssen jedoch noch bis 2027 konkret geregelt werden. Ziel ist eine stärkere interprofessionelle Beteiligung der Pflegenden mit ihrer Expertise und Verantwortungsübernahme als Schlüssel für Versorgungsqualität und Berufszufriedenheit.

„KI im Praxiseinsatz“ ein weiteres interessantes Thema, wurde in verschiedenen Seccions vorgestellt. Im Fokus standen dabei nicht nur technologische Aspekte, sondern insbesondere die Integration in bestehende Versorgungsprozesse, die Akzeptanz im interdisziplinären Team und der klinische Mehrwert.
KI kann Pflegeprozesse sinnvoll unterstützen, Risiken früher sichtbar machen
und insbesondere die pflegerische Expertise gezielt ergänzen.

 

Die Kernbotschaften des Kongresses waren:
 
  • Weiterbildung und Kompetenzentwicklung in der Pflege sind keine Kür, sondern Selbstverständlichkeit – und ein strategischer Erfolgsfaktor.
  • Pflege muss als gestaltende Kraft digitaler Innovation verstanden werden – nicht als Anwenderin im Versorgungsprozess.
  • Haltung, Beharrlichkeit und fachliche Argumentation sind entscheidend, um Veränderung nachhaltig zu verankern.
  • Die Diskussionen zu den aktuellen Herausforderungen in der Pflege (erweiterte Personalkonzepte, Reform der Pflegeversicherung) haben einmal mehr gezeigt, wie wichtig fundierter fachlicher Austausch ist.

 

Prof. Dr. Christine von Reibnitz