Mit Fußball um die Welt: Gemeinsam für Vielfalt
Braunschweig. Diversität und Vielfalt sind an der Grundschule in Braunschweigs Norden, sowohl bei Kindern als auch im pädagogischen Team, Bestandteil des Alltags. Voneinander lernen und ein respektvoller Umgang miteinander bilden die Basis. Nicht nur bei der „Fußballweltmeisterschaft“, die letzte Woche im Rahmen der Ferienbetreuung in der Turnhalle der Schule ausgetragen wurde.
Nach jedem Tor schwappte wilder Jubel der Zuschauer durch die Halle. Jedes Kind fieberte mit seinem Team mit, zu dem es gehörte. Egal, ob das Spanien, Marokko, England oder Kolumbien war, die vier WM-Starter-Länder in Wenden. Der wirklich springende Punkt war, dass man sich gut versteht und tollen Fußball zusammenspielen kann.
Die rund 50 Kinder, die bei der Ferienbetreuung an ihrer Grundschule mitgemacht haben, waren voll Eifer und guter Laune bei der WM dabei, auf dem Spielfeld wie auch daneben. Vorab bastelte jedes Team Fanplakate. Das machte Spaß und es gab jede Menge Interessantes über die Länder zu erfahren. So unterstützte zum Beispiel Betreuerin Theresa Fabiunke, die gebürtig aus Kolumbien stammt, das Team ihres Heimatlandes. Gemeinsam bastelten sie ein Plakat mit der Flagge und den Starspielern des Landes aus Südamerika. Zusammen wurden Armbänder in den Nationalfarben hergestellt und bei den Spielen die Mannschaften natürlich kräftig von der Seitenlinie angefeuert.
„Die Idee, auch in ihrer Schule eine Weltmeisterschaft auszutragen, kam von den Kindern“, erzählt Stefan Wolf, der das pädagogische Team der Johanniter in Wenden leitet. „Jede der sechs Betreuungsgruppen hat sich vorab zusammengesetzt und besprochen, was sie in den Ferien zusammen machen möchten. Zwei Kinder aus jeder Gruppe haben dann als Ferienkonferenzvertretende mit dem pädagogischen Team zusammengesessen und das Ferienprogramm entwickelt“, so Stefan Wolf.
Khalil Daboussi, Betreuer der Johanniter, dessen Eltern aus Tunesien stammen, und seine Kolleginnen Theresa Fabiunke und Nicole Sabrowske haben dann die beiden WM-Tage im Detail geplant. „Wichtig war uns dabei, dass die Kinder etwas über die Länder erfahren, die Vielfältigkeit kennenlernen, ihr Wissen dabei aktivieren und neues Wissen bekommen“, unterstreicht Khalil Daboussi, der angehender Lehrer ist. Die Mannschaften wurden mit Mädchen und Jungen bunt durchmischt. „Unser Ziel ist es, dass bei den Kindern erst gar keine Ängste, Vorurteile oder Ablehnung entstehen, nur weil die Wurzeln eines Kindes in einem anderen Land liegen“, betont der 28 -Jährige. „Wir wollen den Kindern einfach mit diesem Angebot zeigen, es gibt noch andere Länder und Kulturen, aber das sind auch Menschen mit allen Facetten, so wie wir.“
Genau so sieht es auch die neunjährige Mia, die in ihrer Freizeit für den FC Wenden spielt und bei dieser Schul-WM für Marokko gekickt hat: „Es ist egal, aus welchem Land ein Kind kommt. Wichtig ist, dass wir uns gut verstehen und als Team zusammenarbeiten“.
Nancy Hampe, die bei den Johannitern in Braunschweig die Schulkindbetreuung koordiniert, ist dankbar dafür, dass auch in den pädagogischen Teams Vielfalt gelebt wird. An vier Grundschulen betreibt die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. zurzeit Schulkindbetreuungsgruppen mit insgesamt über 200 Betreuungsplätzen. Eine 20-köpfige Gruppe benötigt dabei zwei Mitarbeitende, von denen eine Betreuungsperson eine pädagogische Ausbildung haben muss. „Wir haben es bei den Gruppenbetreuerinnen und -betreuern ganz bewusst so angelegt, dass gemixte Teams entstehen, in denen eine Kollegin oder ein Kollege einen anderen Kultur-Background als den deutschen hat“, erzählt Nancy Hampe.
Über zehn verschiedene Nationen sind bei den Johannitern in der Schulkindbetreuung tätig. So unter anderem aus Thailand, der Türkei, Portugal oder auch Russland und aus der Ukraine. „Bei uns arbeiten Menschen aus so vielen Nationen und Kulturen zusammen – mit Respekt, Offenheit und Wertschätzung. Alle werden so angenommen, wie sie sind. Vielfalt sehen wir als Stärke, denn unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven bereichern unsere tägliche Arbeit“, betont Nancy Hampe. „Die Werte der Johanniter wie Nächstenliebe, Respekt, Verantwortung und Menschlichkeit werden nicht nur vermittelt, sondern auch gelebt. Wer Teil unseres Teams wird, arbeitet in einem Umfeld, in dem Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung und ein respektvoller Umgang selbstverständlich sind“, unterstreicht sie.
2018 haben die Johanniter die erste Gruppe in der Grundschule Lindenberg eröffnet, jährlich folgten dann mindestens eine neue Gruppe und auch neue Standorte verteilt über das Stadtgebiet. Zurzeit arbeiten 23 und ab August dann 26 Menschen in dem Bereich. Neu ist ab dem kommenden Schuljahr der Rechtsanspruch für Eltern auf Schulkindbetreuung und die Umwandlungen der Grundschulen in eine Ganztagsschule. So rechnet Nancy Hampe damit, dass auch zukünftig weitere Gruppen eröffnet werden.
Über die Schulkindbetreuung der Johanniter:
Bei den Johannitern arbeiten pädagogisch ausgebildete Kräfte (Sozialpädagogische Assistenten/-innen, Erzieher/-innen o.ä.) als auch Mitarbeitende ohne pädagogische Fachausbildung. Mitbringen sollte man möglichst Erfahrungen und Freude im Bereich der pädagogischen Arbeit zum Beispiel durch Leitung einer Jugend-/Kindergruppe oder ähnliches. Wer Interesse an einer Beschäftigung hat, kann gern seinen Unterlagen per E-Mail an personal.harzheide(at)johanniter.de einreichen.