14.09.2026 | Bundesgeschäftsstelle

Die Intensivtransporthubschrauber Christoph Gießen und Christoph Mittelhessen fliegen auch in Zukunft für Hessen

Das Land Hessen stärkt die Luftrettung und verlängert die Beauftragung für das ITH-System der Johanniter Luftrettung bis zum Jahr 2036

Das Land Hessen hat der Johanniter Luftrettung die Dienstleistungskonzession zur Durchführung der Luftrettung in Form des ITH-Systems bis mindestens zum Jahr 2032, verlängerbar durch die Auftraggeberin bis zum Jahr 2036, erteilt. „Das bedeutet Kontinuität für Hessen, bewährte Strukturen für Kliniken und Leitstellen. Für uns als Organisation sowie insbesondere für unsere Mitarbeitenden bedeutet es Arbeitsplatz- und Planungssicherheit“, erklärt Oliver Meermann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Johanniter Luftrettung und Bundesvorstandsmitglied der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. „Der Zuschlag sichert die luftgebundene Intensivversorgung in Hessen auf dem bewährten hohen Niveau und gibt dem gesamten System eine solide Grundlage für die Zukunft“, fügt Frank Zabell, Geschäftsführer der Johanniter Luftrettung und Hubschrauberpilot, hinzu.

Ein System, das jede Anforderung meistern kann

Am Luftrettungszentrum Gießen und dem Luftrettungsstandort Reichelsheim betreibt die Johanniter Luftrettung ein in dieser Form deutschlandweit einzigartiges System: Die Hubschrauber „Christoph 90 Gießen“ und „Christoph 91 Mittelhessen“ sind als System so aufgestellt, dass sie jegliche Intensivtransporte durchführen und bei Bedarf auch zu Notfalleinsätzen alarmiert werden können. Die beiden Hubschrauber unterscheiden sich in Größe, Kapazität und Einsatzschwerpunkten und können so jede Anforderung bedienen. Während Christoph Gießen die Hauptmaschine darstellt, die rund um die Uhr für Intensivverlegungen und Notfalleinsätze (sogenannte Sekundär- und Primärtransporte) einsatzbereit ist, fungiert Christoph Mittelhessen im Tagbetrieb als Ergänzungs- und Verstärkermaschine mit Schwerpunkt auf planbare Intensivtransporte, oft mit besonderen Herausforderungen. Die Maschine aus der Wetterau verlegt Patientinnen und Patienten nicht selten über mehrere hundert Kilometer hinweg, in Spezial- oder Rehakliniken. Diese Einsätze dauern oft mehrere Stunden. Gegenüber der Hauptmaschine in Gießen vom Typ Airbus H 145 D3, dem aktuell modernsten Hubschrauber in der zivilen Luftrettung, bietet die Verstärkermaschine Christoph Mittelhessen vom Typ Airbus H 155 B1, der größte Hubschrauber in der zivilen Luftrettung in Deutschland, eine höhere Zuladekapazität und Geschwindigkeit sowie eine größere Kabine. Dadurch kann zusätzliches ärztliches Personal mitfliegen, aber auch mehr medizinisches Equipment mitgenommen werden. Durch die größere Reichweite sind mit dem Hubschrauber aus Reichelsheim Transporte quer durch die Republik ohne Tankstopp möglich.

Zu den Spezialtransporten von Intensivpatienten zählen Verlegungen infektiöser Patienten mit dem Infektionstransportschutzsystem IsoArk - während der Corona-Pandemie bundesweit im Einsatz -, Inkubator-Transporte für die jüngsten und kleinsten Patienten - die Frühchen - sowie Schwerlasttransporte für Patienten bis maximal 350 kg Körpergewicht. Ein weiteres Spezialgebiet sind die sogenannten ECMO-Transporte, bei denen schwerstkranke Patienten durch mit Sauerstoff angereichertem Blut über eine Herz-Lungen-Maschine beatmet werden. 

„Die erneute Verlängerung unserer Beauftragung in Hessen ist eine Bestätigung für die herausragende Arbeit, die unsere Crews täglich leisten. Seit mehr als zwei Jahrzehnten sind wir verlässlicher Partner des Landes – und wir freuen uns, diese Zusammenarbeit weiterzuführen. Die Beauftragung gibt unseren Mitarbeitenden die Planungssicherheit, die sie verdienen, und stellt sicher, dass die Patientinnen und Patienten in Hessen auch künftig auf höchstem Niveau versorgt werden. Das Dual-Use-System, das wir in Hessen betreiben, ist in dieser Form einzigartig und es zeigt, was möglich ist, wenn hervorragende Ausbildung, große Erfahrung und beste technische Ausstattung zusammenkommen“, unterstreicht Meermann. 

Planungssicherheit für Menschen und Strukturen

Die gewachsenen Strukturen und eingespielten Abläufe - von der Übernahme des Intensivpatienten in der abgebenden Klinik über den schnellen und schonenden Transport ohne Unterbrechung der Intensivbehandlung, bis hin zur sorgfältigen Übergabe in der Zielklinik - bleiben erhalten. „Wir streben immer die bestmögliche Behandlung für den Patienten an. Dazu zählt auch, dass wir mit eingespielten Crews auf höchstem medizinischem Niveau arbeiten. Neben unseren hervorragend ausgebildeten HEMS-TC (erfahrene Notfallsanitäter mit Zusatzqualifikation für den Flugbetrieb) sind es vor allem die Notärztinnen und Notärzte, die die hohe Qualität unserer Einsatzfähigkeit ausmachen. Aus der Erfahrung mit unserer langjährigen, vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums Gießen & Marburg GmbH für den Standort Gießen sowie mit unseren Kooperationskliniken aus Hessen und Bayern für den Standort Reichelsheim, kann ich mit Stolz sagen, dass wir die besten Ärztinnen und Ärzte auf unseren Hubschraubern einsetzen können. An sie werden höchste Ansprüche gestellt und denen werden sie auch gerecht. Alle sind bestens ausgebildet und verfügen über umfangreiche Erfahrung in den Bereichen Anästhesiologie und Notfallmedizin für Erwachsene und Kinder bis hin zu den Säuglingen und Frühgeborenen“, unterstreicht Mumi Taleb, Ärztlicher Leiter der Johanniter Luftrettung. Geschäftsführer Frank Zabell fügt hinzu: „Nicht zu vergessen unsere Piloten, die speziell für die Ansprüche der Luftrettung aus- und weitergebildet wurden. Auch für angehende Berufspiloten, die wir teilweise in unserer Flugschule der HELI-FLIGHT JLR gGmbH in Reichelsheim selbst ausbilden, bedeutet die Verlängerung Sicherheit auf ihrem Weg hin zu ihrem Traumberuf, den sie schließlich selbst finanzieren. Ich selbst genieße es nach wie vor, wenn ich als Pilot Schichten auf dem Christoph Gießen übernehmen kann. Für die Luftrettung zu fliegen ist spannend, herausfordernd und einfach etwas ganz Besonderes.“

Über 30 Jahre Kontinuität in Hessen, durchschnittlich rund 1.400 Einsätze jährlich, deutschlandweit unterwegs

Die Johanniter Luftrettung ist bereits seit dem Jahr 1995 in Hessen tätig. Seit dem Jahr 2003 führt sie im Auftrag des Landes luftgebundene Intensivtransporte durch. Im Jahr 2014 hat die Johanniter Luftrettung ihren Schwerpunkt von Reichelsheim nach Gießen verlegt und dort das Luftrettungszentrum eröffnet. Hier befindet sich auch der Verwaltungssitz des Unternehmens, das formal ein unselbständiger Teil der Johanniter-Unfall-Hilfe ist.

Der ITH Christoph Gießen ist rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr einsatzbereit, der ITH Christoph Mittelhessen am Standort Reichelsheim im erweiterten Tagbetrieb von 9 Uhr bis 21 Uhr an 365 Tagen im Jahr. Auch benachbarte Bundesländer greifen bei Bedarf auf die hessischen Intensivtransporthubschrauber der Johanniter Luftrettung zurück: für Intensiv- und Spezialtransporte, aber auch für Notfalleinsätze, insbesondere in der Nacht.

Christoph Gießen ist seit 2019 im Schnitt zwischen rund 900 und etwas über 1.100 Einsätze jährlich geflogen. Also durchschnittlich etwa drei Einsätze an einem 24-Stunden-Tag mit flugtauglichen Wetterverhältnissen. Christoph Mittelhessen ist im Tagbetrieb in den letzten Jahren zwischen rund 700 und knapp 450-mal im Jahr im Einsatz gewesen. In der Summe nimmt die Anzahl der Einsätze in den letzten Jahren geringfügig ab, was aber nichts über die Dauer oder die Komplexität der Verlegungen aussagt.

Medizinische Versorgung auf höchstem Niveau darf nicht dem Rotstift ausgesetzt werden

Bei aller Freude über die Verlängerung der Beauftragung in Hessen bereiten die Reformpläne der Bundesregierung den Leistungserbringern im Rettungsdienst Sorgen: „Jetzt muss die Politik auf Bundesebene dafür Sorge tragen, dass die geplanten Einsparungen durch das bereits verabschiedete Krankenkassen-Beitragsstabilisierungsgesetz nicht auf dem Rücken des Rettungsdienstes ausgetragen werden. Die Politik hat in diesen Tagen die Chance, finanzielle Fehlsteuerung in der nun anstehenden Reform der Notfallversorgung wieder zu korrigieren. Die Rettungsdienste, zu denen die Luftrettung zweifelsohne gehört, leisten bereits heute einen wichtigen Beitrag zur allgemeinen Daseinsvorsorge. Hier darf keinesfalls an der falschen Stelle der Rotstift angesetzt werden, die Patientensicherheit muss auch in der Zukunft sichergestellt sein. Bei steigenden Anforderungen an Qualität, Sicherheit und Technik sowie höheren Treibstoff- und Materialkosten kann die Vergütung nicht gedeckelt oder gar vermindert werden. Die tatsächlichen Kosten des Rettungsdienstes und der Luftrettung müssen auch zukünftig vollständig refinanziert werden können. Darüber hinaus sehen wir in der Johanniter-Unfall-Hilfe und auch in der Johanniter Luftrettung großes Potenzial, die Notfallversorgung durch die anstehende Reform effizienter zu gestalten: Beispielsweise durch moderne Leitstellen, eine bessere Patientensteuerung und den zielgerichteten Einsatz vorhandener Ressourcen. Diese Reformen können ihre Wirkung jedoch nur entfalten, wenn die Finanzierung des Rettungsdienstes dauerhaft gesichert ist“, mahnt Meermann.

Zur Johanniter Luftrettung

Die Johanniter Luftrettung ist Teil der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) und betreibt in Deutschland an vier Standorten Intensivtransporthubschrauber. Diese können von den Leitstellen bei Bedarf auch zu Rettungseinsätzen alarmiert werden. Christoph Gießen und Christoph Rostock im 24-Stunden-Betrieb, Christoph Mittelhessen im erweiterten Tagbetrieb von 9 Uhr bis 21 Uhr und der Air Rescue Nürburgring (Rheinland-Pfalz) von 8 Uhr bis Sonnenuntergang. Der Hubschrauber am Nürburgring ist in den Betriebsrettungsdienst der Rennstrecke eingebunden und ist bei Veranstaltungen auch in der Nacht im Einsatz.

Mit der HELI-FLIGHT JLR gGmbH als 100-prozentiger Tochter der Johanniter Luftrettung, bzw. der Johanniter-Unfall-Hilfe, unterhält die Hilfsorganisation seit Dezember 2023 ihren eigenen Flugbetrieb inkl. Werft und Flugschule am Flugplatz Reichelsheim (Wetterau).