Wir Johanniter

Teil des Jahresberichts 2024

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Wir Johanniter

Modern, offen und vielfältig

Seit über 70 Jahren ist die Johanniter-Unfall-Hilfe in sozialen und karitativen Bereichen aktiv – stets im Zeichen der Hilfe von Mensch zu Mensch. 2024 waren rund 44.000 Ehrenamtliche für uns im Einsatz: bei den Weihnachtshochwassern in Niedersachsen, bei Flutlagen im Saarland, in Bayern, Baden-Württemberg und zuletzt in Österreich sowie an der polnischen Grenze. Auch bei der Fußball-EM sorgten unsere Helferinnen und Helfer für Sicherheit – an Spielstätten, bei Public Viewings und in Bereitschaft im Hintergrund. Grundlage unseres Handelns sind der respektvolle Umgang und die Achtung unserer freiheitlich-demokratischen Werte. Ob im Bevölkerungsschutz, im Rettungs- und Sanitätsdienst, im Hospizdienst, in der Kälte- oder Flüchtlingshilfe oder in der Erste-Hilfe-Ausbildung: Für uns zählen Nächstenliebe statt Egoismus, Vielfalt statt Einfalt, Toleranz statt Intoleranz und Integration statt Ausgrenzung.

33.517
Hauptamtliche Mitarbeitende
1.657
Auszubildende
1.192.722
Fördermitglieder
1.604
junge Menschen absolvieren Freiwilliges Soziales Jahr

Mehr als 77.000 Menschen engagieren sich haupt- oder ehrenamtlich bei den Johannitern.

Ausgezeichnet nachhaltig: die Klima-Kita Lumi.Natura

Kita & Nachhaltigkeit
Dank des umlaufenden Laubengangs können die Kinder bei fast jeder Witterung im Freien spielen. Alle Spielgeräte sind aus nachhaltigen, teilweise recycelten Materialien hergestellt.

Wie lernen Kinder umweltbewusst zu leben, wenn sich schon Erwachsene damit schwertun? Am besten, indem sie von klein auf erleben, was Klima- und Naturschutz ganz konkret bedeuten. Die Kinderbetreuungseinrichtung Lumi.Natura der Johanniter in Geltow bei Potsdam hat sich Nachhaltigkeit in all ihren Facetten auf die Fahnen geschrieben.

Wenn es diesen Ort für Kinder nicht schon gäbe, dann müsste man ihn erfinden: ein lichtdurchflutetes Gebäude, idyllisch gelegen mitten im Grünen, umgeben von Wäldern und glasklaren Havelseen. Draußen ein schattiger Laubengang, naturnahe Spielgeräte, umgeben von einem Obstbaumgarten und Terrassenbeeten für Kräuter und Gemüse. Drinnen liebevoll gestaltete Räume zum Forschen, Werken, Musizieren, für Bewegung und gemeinsame Mahlzeiten, die täglich in der hauseigenen Küche aus gesunden, regionalen Bio-Lebensmitteln zubereitet werden. 

Die fantasievolle Wandgestaltung im Bewegungsraum regt zum freien Erkunden an.

Die Natur achten und schützen 

Im September 2024 feierte die Johanniter-Unfall-Hilfe im Regionalverband Potsdam-Mittelmark-Fläming die Eröffnung der Kinderbetreuungseinrichtung Lumi.Natura mit 80 Plätzen. Im selben Haus befindet sich auch eine verlässliche Eltern-Kind-Gruppe mit zwölf Plätzen. Der Name, der sich aus den Wörtern „Licht“  (Lumi, abgeleitet von Lumen) als Symbol für Offenheit und „Natur“ zusammensetzt, steht für das nachhaltige Gesamtkonzept der Einrichtung.

Ralf Boost, Vorstand des Regionalverbandes Brandenburg-Nordwest, und Einrichtungsleiter Tilo Thangarajah (r.) bei der feierlichen Eröffnung am 30.9.2024.

Was das bedeutet, erklärt Einrichtungsleiter Tilo Thangarajah: „Unser Gebäude ist nach ökologischen Gesichtspunkten geplant, von der Dämmung über die Dachbegrünung bis hin zu unserer Photovoltaikanlage.“ Aber das ist noch längst nicht alles: „Wir integrieren Nachhaltigkeit und Klimaschutz in jeden Aspekt unseres alltäglichen Handelns.“ Ob ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln, der eigene Anbau von Gemüse im Garten, Recycling oder Mülltrennung ─ ganz selbstverständlich lernen die Kinder, sparsam und verantwortungsvoll mit den natürlichen Ressourcen umzugehen und die Natur zu schützen.

Lumi.Natura kooperiert auch eng mit der Bundeswehr, die auf dem Gelände einen Standort hat. Hier ein Vater mit seiner Tochter im Gespräch mit Kunstpädagogin Bethany Kaaz.

Gut vernetzt – bundesweit und in der Region

Seit Baubeginn ist Lumi.Natura Mitglied im Klima-Kita-Netzwerk. Diese Projekt wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Umwelt sowie die Nationale Klimaschutzinitiative gefördert und berät Kitas zu Klimaschutzthemen. Es bietet Unterstützung in Form von Workshops, Events und Materialien an. Aber auch regional ist die Klima-Kita bestens vernetzt und kooperiert eng mit dem Naturschutzbund, Anwohnern und bundesweiten Initiativen. So können die Kinder zum Beispiel an gemeinsamen Baumpflanzaktionen oder Tierschutzprojekten teilnehmen. „Es ist inspirierend, wie wir Gemeinsamkeiten beim Thema Klimaschutz erkunden“, freut sich Tilo Thangarajah.

Auszeichnung als „Nachhaltigkeits-Champion“

Mit ihrem nachhaltigen Ansatz ist die Klima-Kita im Ortsteil Geltow der Gemeinde Schwielowsee nicht nur Vorreiter, sondern auch ein leuchtendes Beispiel für die ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie der Johanniter-Unfall-Hilfe. Als klimafreundliche, naturnahe Kita wurde Lumi.Natura deshalb auch im März 2025 als „Nachhaltigkeits-Champion“ geehrt und mit dem Nachhaltigkeitspreis der Johanniter-Unfall-Hilfe ausgezeichnet.

Alle Fotos: Johanniter

„Mein Ehrenamt ist ein großes Abenteuer!“

Porträt Hansi Eggert
Ein eingespieltes Team: die beiden Johanniter-Weihnachtstrucker Hansi Eggert (r.) und Kevin Heckmann mit Rettungshund Cooper. Foto: Johanniter

Hans-Georg „Hansi“ Eggert ist niemand, der im Ruhestand die Füße hochlegt. Der 70-jährige Chemiemeister aus Stade engagiert sich auch als Rentner leidenschaftlich für die Johanniter ‒ ob in der Rettungshundestaffel oder als „Weihnachtstrucker“ an der Seite seines Kollegen Kevin Heckmann.

Im Grunde ist es Riesenschnauzer Cooper zu verdanken, dass Hansi Eggert vor über zehn Jahren im Ehrenamt gelandet ist. Denn schon damals in der Hundeschule zeigte sich: Die schwarze Schnüffelnase hat Talent. Seitdem trainieren Cooper und sein Herrchen zweimal wöchentlich mit der Johanniter-Rettungshundestaffel das „Suchen nach vermissten Personen“ in den Wäldern rund um Stade. Als Vollprofi muss Cooper regelmäßig Prüfungen absolvieren. „Viermal haben wir bestanden, zweimal nicht“, sagt Hansi und lacht. Doch die Hundestaffel ist längst nicht das einzige Gebiet, auf dem die beiden vollen Einsatz zeigen.

Als Weihnachtstrucker auf dem Balkan

2017 wurde der „Weihnachtstrucker“ zu einem weiteren Herzensprojekt. Bei dieser Hilfsaktion der Johanniter liefern Ehrenamtliche wie Hansi Eggert jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit Hilfspakete an Bedürftige in Südeuropa aus, seit der Pandemie auch in Deutschland. Auf seiner ersten Tour ging es mit dem Truck in Roma-Dörfer nach Rumänien. „Die Menschen lebten dort auf großen Müllhalden“, erinnert sich der Johanniter. Zuletzt führte ihn die Fahrt an die polnisch-ukrainische Grenze: „Dort haben wir alleinerziehende ukrainische Mütter und Kriegswitwen getroffen und eine orthodoxe Kirche besucht, die Geflüchtete aus der Ostukraine versorgt hat. Da habe ich gespürt, wie sinnvoll mein Ehrenamt ist. Es waren sehr emotionale Momente.“

Gerne unterwegs: „Wer fährt schon an Weihnachten nach Rumänien in die Karpaten?“ – Hansi Eggert in seinem Weihnachtstruck. Foto: Johanniter

Meist fährt Hansi Eggert die „Weihnachtstrucker“-Touren zusammen mit seinem Kollegen Kevin Heckmann. Der 30-Jährige arbeitet im Stader Ortsverband der Johanniter hauptamtlich in der Verwaltung und ist im Rettungsdienst aktiv. „Wir beide bestehen darauf, jedes Jahr ehrenamtlich mit dabei zu sein“, sagt Hansi Eggert. Gemeinsam mit dem jungen Kollegen hat er im Laufe der Jahre nicht nur Firmen, Schulen und Privatpersonen davon überzeugt, Pakete für die Hilfsaktion zu packen, sondern auch die Rotarier aus dem norddeutschen Raum mit ins Boot geholt. Allein 2023 sind durch das ehrenamtliche Engagement der beiden Stader rund 5.300 Pakete für die Hilfsaktion zusammengekommen.

Großer Rückhalt in der Familie

Die langen Fahrten im Lkw machen Hansi Eggert nichts aus. Zum Glück spielt auch seine Familie mit: „Die kennt das ja schon“, sagt er. Auch vor seinem Ruhestand sei er beruflich viel unterwegs gewesen. „Ich bin gelernter Chemiemeister und war zuletzt Emergency Officer bei Dow Chemical. Für die Firma war ich in Texas, in Südkorea, in Italien und in Kanada unterwegs.“ Daher weiß er aber auch: „Ohne den Rückhalt durch die Familie geht es nicht.“

Wenn der Advent vorbei ist und auch Cooper gerade keinen Sucheinsatz hat, kümmert sich Hansi Eggert um die Logistik bei den Johannitern. Manchmal macht er auch Sanitätseinsätze mit. Über die Jahre hat er im Ehrenamt bei den Johannitern so viele Erfahrungen und Erlebnisse gesammelt, dass es sich kaum zusammenfassen lässt. Doch in einem ist sich Hansi Eggert gewiss: „Mein Ehrenamt ist ein großes Abenteuer!“