Kenia: Osmoseanlage versorgt Gemeinden mit Wasser

Zwei Frauen mit Wasserkanistern und zwei Kinder auf einer ausgetrockneten Straße
Um Wasser zu holen, müssen die Menschen oft kilometerlange Wege zurücklegen.

Berlin / Nairobi, 02. Juli 2021

Die Turkana-Region im Nordwesten Kenias gehört zu den ärmsten Regionen des Landes. Traditionell leben die Menschen hier von der Viehhaltung. Doch durch die klimatischen Veränderungen ist das Überleben der Tiere und die Ernährungssicherheit der Menschen gefährdet, die nun verstärkt auf Landwirtschaft setzen. Doch es fehlt an Wissen und vor allem an Wasser. Die Johanniter und ihr Partner AICHM unterstützen sie darin, diese Hürden zu überwinden.

Akai Loroi ist 45 Jahre alt und lebt in der Nasinyono-Gemeinde. Wie viele andere Menschen betreibt sie Landwirtschaft und Tierhaltung. Doch oft langanhaltende Dürren stellen die alleinerziehende Mutter von fünf Kindern vor große Herausforderungen. Dann muss sie Wasser für ihre Familie und ihre Tiere aus dem 35 Kilometer entfernten Kotome-Teich holen. Eine tagelange Reise, um das Überleben zu sichern.

Fehlende Nahrung auf Grund von Dürren

Akai Loroi ist nur ein Beispiel dafür, wie die Menschen in Turkana jeden Tag um ihr Überleben kämpfen. 94 Prozent der Bevölkerung leben in Armut. Durch lange Trockenperioden ist der Anbau von Pflanzen häufig unmöglich. Wenn es endlich regnet, kommt es durch den ausgetrockneten Boden zu Überschwemmungen. Eine solche Situation begünstigte im Jahr 2019 eine Heuschreckenplage, welche die Ernten und somit die Ernährungsgrundlage vieler Menschen zerstörte. Hunger und Mangelernährung treten in weiten Teilen der Region auf.

Wasser für ein gesünderes Leben

So funktioniert die Osmoseanlage, um das Wasser zu entsalzen.

Um das Überleben der Menschen zu sichern, ist der gesicherte Zugang zu Wasser entscheidend. Deshalb installiert unser lokaler Partner AICHM ein Bohrloch, das in rund 300 Metern Tiefe das Grundwasser erreicht. Da dieses jedoch salzhaltig und somit ungenießbar ist, bauen wir eine sogenannte Umkehrosmoseanlage, die das Wasser von Salz befreit und trinkbar macht. Mit Hilfe von zwei Wasserspendern versorgen wir bis zu 10.000 Menschen mit Trinkwasser. Dadurch verbessern wir neben der Ernährung auch die Hygiene der Gemeinde. Krankheiten können vermieden werden und die Menschen führen ein gesünderes Leben. Verantwortliche Personen werden im Umgang mit der Anlage und den Wasserspendern geschult, um eine lange und nachhaltige Nutzung sicherzustellen.

Akai Loroi mit einer Ziege
Akai Loroi

Zusätzlich statten wir in dem gemeinsamen Projekt die Gemeinde mit landwirtschaftlichen Werkzeugen und verbessertem Saatgut aus. So können wir sicherstellen, dass die Familien mindestens einmal pro Jahr eine gute und vielfältigere Ernte erhalten. Dies lindert den Hunger nachhaltig.

Akai Loroi ist dankbar für die Unterstützung. Um die Ernährung ihrer Kinder zu sichern, musste sie in der Vergangenheit regelmäßig in die weit entfernte Stadt Kakuma reisen, um Gelegenheitsjobs anzunehmen. Akai ist zuversichtlich, dass „dieser Alptraum“ durch die Projektmaßnahmen bald nicht mehr nötig werde und ihre Familie nicht mehr wochenweise auf sie wird verzichten müssen.

Baum des Lebens: Der Moringa-Baum

Ein weiterer Aspekt für die verbesserte Ernährung der Menschen ist das Pflanzen des Moringa-Baums. Dieser braucht nur wenig Wasser und wächst sehr schnell. Seine Blätter enthalten alle wichtigen Nährstoffe und auf Grund seines hohen Eisengehalts kann er so vor allem die Ernährung und damit die Gesundheit von Schwangeren und Kindern grundlegend verbessern. Zusammen mit AICHM investieren wir in den Bau von zwei Mühlen und ermöglichen so die Anreicherung lokaler Lebensmittel mit Moringa. Um die Akzeptanz und somit die Nutzung dieser neuen Pflanze in der Gemeinde zu erhöhen, klären junge Frauen und Mütter als "Agenten des Wandels" darüber auf. Dadurch leisten wir einen Beitrag zum Abbau der traditionell bestehenden Geschlechterungleichheit und unterstützen die jungen Frauen darin, sich schrittweise aus den traditionellen Rollen zu lösen und mehr Verantwortung zu übernehmen.

Finanziell unterstützt wird das Projekt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

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