Betroffene von Landminen: Dem Schicksal die Stirn bieten

Ko mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen vor ihrem Haus
Für die Familien, für die Menschen: Nachdem Ko fast an den Verletzungen zerbrochen war, hat er wieder Verantwortung übernommen.

Berlin / Yangon, 03. September 2019

Landminen fordern im südostasiatischen Myanmar fast täglich Opfer. In Ost-Bago helfen die Johanniter den Betroffenen, das Leben danach zu meistern.

Der 37-jährige Ko Min Min war unterwegs um Feuerholz zu sammeln, als er auf eine Landmine trat. Eine von zigtausenden, die in der Region Ost-Bago trotz des 2015 zwischen der Armee und der Rebellengruppe Karen National Union vereinbarten Waffenstillstandes im Boden versteckt liegen. Wochenlang lag er im Krankenhaus, sein linkes Bein konnten die Ärzte jedoch nicht retten und es mussteoberhalb des Knies amputiert werden. „Ich bat um eine tödliche Injektion“, erzählt Ko Min Min von seiner langwierigen Leidensgeschichte, die für das Schicksal vieler steht. Denn jeden zweiten Tag explodiert dort eine Mine oder scharfe Munition – eine davon veränderte Kos Leben.

Betroffene organisieren sich

Ko Min Min mit Beinprothese steht auf einem Feld.

Die Kampfmittel bedrohen nicht nur die körperliche Unversehrtheit und oft das Leben der Menschen in Myanmar, sondern zusätzlich die Existenzgrundlage der Bevölkerung. Ko musste fünf Kühe und sein komplettes Farmland unter Wert verkaufen, um für die Arztkosten aufzukommen. Unter größter Mühe schleppte er sich tagelang in ein entferntes Krankenhaus, um eine Prothese zu erhalten. Seinen Depressionen begegnete er mit Alkohol. „Für jedes Minenopfer sind die ersten Jahre der Horror“, sagt er. So verlor der Vater zweier Kinder in nur wenigen Monaten fast alles.

Fünf Menschen mit Arm- oder Beinprothesen sitzen wartend auf Stühlen
Ko (2. v. r.) wartet mit anderen Betroffenen von Landminen bei einer Veranstaltung für und von Betroffenen im Oktober 2018.

Nach Jahren des Leidens kam für ihn der Wendepunkt, als die lokale Organisation „Karen Development Network“ in seinem Dorf Shwe Pyi Thar die Gründung einer Selbsthilfegruppe unterstützte. Finanziert durch Spenden und Mittel des Auswärtigen Amtes ist diese Gruppe eine von insgesamt 20 in der Region, in der sich Betroffene von Landminen organisieren und treffen können. Durch Schulungen in Erster Hilfe, Infoveranstaltungen zu Risiken durch Minen und psychosoziale Betreuung erfahren die sie Beistand. Das hilft, zunächst die seelischen Wunden heilen zu lassen, um sich anschließend gegenseitig bei produktiven Projekten zu unterstützen. Im Dorf errichteten sie einen Gemeinderaum, wo sie sich treffen und arbeiten können. Vorneweg geht Ko, der die Gruppe seines Dorfes anführt. „Ich bin für alle Belange verantwortlich und will sie gut erledigen“, sagt er voller Überzeugung. Menschen wie er werden so erfolgreich befähigt, ihr Leben wieder in die eigene Hand zu nehmen und zu gestalten.

Pläne für das zweite Leben

Verantwortung übernehmen, statt sich dem Schicksal zu ergeben: Darum geht es bei den Gruppen und in Kos zweitem Leben. „Wir denken über ein Geschäftsmodell nach und wollen entweder einen Lebensmittelladen oder eine Motorrad-Werkstatt eröffnen“, sagt Ko. Dafür suchen sie Unterstützung, um nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Auch persönlich hat Ko seine Situation wieder im Griff. Er züchtet Schweine und Hühner, seine Söhne begleiten ihn beim Fischen. Aber nur, wenn sie schulfrei haben: „Solange ich lebe, werde ich sie beim Lernen unterstützen.“

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