Fokusthema: Resilienz
Mit neuen Konzepten für den Bevölkerungsschutz stärken wir Johanniter die Resilienz unserer Gesellschaft und bereiten Menschen darauf vor, in Krisensituationen handlungsfähig zu bleiben. Innovative Projekte wie die Verwundeten-Transportkomponente und Mobile Helfer zeigen, wie wir unsere Strukturen und Fähigkeiten für zukünftige Herausforderungen weiterentwickeln.
Sicherheit beginnt mit Vorbereitung
Was bedeutet Resilienz?Resilienz stärken: Das bedeutet für die Johanniter ihre Rolle im Bevölkerungsschutz weiterzuentwickeln und Menschen zu befähigen, in kritischen Situationen handlungsfähig zu bleiben. Damit leisten wir einen konkreten Beitrag zur Sicherheit und zum Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Organisationale Resilienz basiert auf klaren Strukturen, zuverlässiger Kommunikation und handlungsfähigen Teams. Die Johanniter investieren daher systematisch in robuste Melde- und Informationswege, bundesweite Krisenstabsstrukturen sowie in die Ausbildung von ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden. Dies wird auch in den nächsten Jahren ein Schwerpunkt bleiben.
Zahlen und Fakten
Als eine der großen Hilfsorganisationen in Deutschland stehen wir zu unserer Verantwortung, die sich aus den veränderten Aufgaben im Bevölkerungsschutz ergibt.
Wenn aus Vorsorge Realität wird
Verwundeten-Transportkomponente 100Was noch vor wenigen Jahren unvorstellbar schien, ist seit dem russischen Angriff auf die Ukraine bittere Realität: Krieg mitten in Europa. Mit der neuen Verwundeten-Transportkomponente 100 (VTpK-JUH100) stellen die Johanniter im Verteidigungsfall der Bundeswehr Kapazitäten für den Transport von Verwundeten bereit. Thorsten Ernst, Bundesbeauftragter der Johanniter für zivil-militärische Zusammenarbeit, erläutert, warum das Bündnis ein wichtiger Baustein der gesellschaftlichen Sicherheitsvorsorge ist.
Herr Ernst, wofür steht das Kürzel „VTpK-JUH100“?
Ausformuliert steht die Abkürzung für die Verwundeten-Transportkomponente 100 der Johanniter-Unfall-Hilfe. Im Kern umfasst das Konzept die Zusammenführung von 100 Krankentransportfahrzeugen samt Personal. Damit unterstützen die Johanniter im Kriegsfall den Sanitätsdienst der Bundeswehr, um verwundete Soldatinnen und Soldaten innerhalb Deutschlands zu transportieren.
Welche Aufgabe übernehmen die Johanniter dabei genau?
Wenn der Sanitätsdienst der Bundeswehr unsere Unterstützung anfordert, werden wir Verwundete aus zentralen Aufnahmezentren der Bundeswehr, sogenannten HUBs, abholen und zur Weiterbehandlung in Krankenhäuser oder Reha-Einrichtungen transportieren. In unserem Konzept haben wir deutschlandweit vier regionale Gebiete definiert, in denen die Kapazitäten einer bestimmten Region gebündelt sind. Je nach Bedarf werden im Einsatzfall Einheiten aus einem oder mehreren dieser Gebiete eingesetzt.
Was beinhaltet diese Zusammenarbeit außerdem?
Mit den Fahrzeugen sind auch die personellen Ressourcen verbunden, also die Helferinnen und Helfer, die die Fahrzeuge führen und begleiten. Im Wesentlichen werden das Ehrenamtliche sein. Auch diese Kapazitäten müssen eingeplant werden. Aktuell bauen wir die notwendigen Melde- und Informationsstrukturen auf, damit wir im Ernstfall erreichbar und schnell handlungsfähig sind.
Fehlen diese Kapazitäten dann für zivile Aufgaben?
Definitiv nein! Im Gegenteil. Die Fahrzeuge, die alle aus unserem bestehenden Fahrzeugpool stammen, können von den Landesverbänden der Johanniter eigenverantwortlich auch für zivile Aufgaben im Bevölkerungsschutz eingesetzt werden. Es muss nur sichergestellt werden, dass die Kapazitäten im Kriegsfall bereitstehen. Wichtig ist zu verstehen: Wir übergeben keine Fahrzeuge an die Bundeswehr, sondern stellen bei Bedarf und auf Anfrage Transportkapazitäten zur Verfügung.
Warum wurde das Konzept gerade jetzt erarbeitet?
Hintergrund ist die veränderte weltpolitische Lage. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine war ein wichtiger Auslöser dafür, dass sich die Bundeswehr neu ausgerichtet hat. In diesem Zusammenhang hat der Sanitätsdienst der Bundeswehr Unterstützungsbedarf angemeldet. Darauf haben die Johanniter als Hilfsorganisation reagiert und stellen mit der Verwundeten-Transportkomponente 100 aus eigener Kraft entsprechende Kapazitäten zur Verfügung. Wir verstehen die Unterstützung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zur Stärkung der Resilienz in unserem Land.
Wie kam es zu diesem Bündnis mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr?
Die zivil-militärische Zusammenarbeit zwischen der Bundeswehr und Hilfsorganisationen ist an sich überhaupt nicht neu. Nur war sie bisher in der Regel eine Einbahnstraße. Jeder kennt das: Die Bundeswehr hilft bei zivilen Lagen wie Katastrophen oder Unwettern. Diese Zusammenarbeit ist etabliert und funktioniert. Andersherum sind wir nicht so eingespielt. Für den Fall, dass Hilfsorganisationen die Bundeswehr in militärischen Lagen unterstützen, gibt es bislang keine Verfahren. Wir entwickeln aktuell sozusagen eine zivil-militärische Zusammenarbeit 2.0.
Sind spezielle Übungen für den Verwundetentransport geplant?
Die letzte Quadriga-Übung der Bundeswehr, die im März 2026 auf dem Flughafen BER stattfand, war eine der größten Sanitätsübungen der letzten Jahre. Wir haben uns daran mit Fahrzeugen der VTpK-JUH100 beteiligt. Übungen im Bereich Bevölkerungsschutz führen die Landesverbände ohnehin regelmäßig durch. Auch Einsätze bei Festivals, Konzerten oder Events sind letztlich wichtige Übungen für den Katastrophenfall.
Bevölkerungsschutz ist ein Oberbegriff für den Katastrophen- und Zivilschutz. Wenn Sie sich ehrenamtlich im Bevölkerungsschutz engagieren möchten, finden Sie hier weitere Informationen zum Bevölkerungsschutz bei den Johannitern.
„Mobile Helfer“ – in der Krise aktiv unterstützen
Hochwasser, Waldbrände, geopolitische Konflikte ‒ Krisen und Bedrohungen nehmen weltweit zu. Doch in solchen Notlagen zeigt sich auch: Die spontane Hilfsbereitschaft der Menschen ist enorm. Das System „Mobile Helfer“ koordiniert die Freiwilligen und begleitet sie sicher durch den Einsatz.
Im Katastrophenfall gibt es unendlich viel zu tun: Sandsäcke füllen, Spenden verteilen, Verletzte betreuen, Schutt und Müll beseitigen. Der Katastrophenschutz stößt dabei zunehmend an seine personellen Grenzen. Gleichzeitig sinkt die Bereitschaft in der Gesellschaft, sich langfristig ehrenamtlich zu binden. Umso wichtiger werden Helfende, die spontan vor Ort mit anpacken.
Doch wie lassen sich diese „ungebundenen Helfer“ im Krisenfall koordinieren? Wie erfahren sie, wo sie gebraucht werden? Und wie schützt man sie vor Gefahren? Das Projekt „Mobile Helfer“ der Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe schafft dafür ein bundesweit einheitliches System.
Ganzheitlicher Ansatz von Mobile Helfer
„Mobile Helfer“ setzt vor der Krise an und lädt Freiwillige ein, Teil eines Helfernetzwerks zu werden. Das Konzept umfasst die Registrierung, Alarmierung, Betreuung und Qualifizierung.
Zentraler Einstieg für Helfende ist die Mobile-Helfer-App, die bald als Beta-Version in den App-Stores erscheint. Sie bietet Zugang zu einer digitalen Lernplattform mit Wissensmodulen und einfachen Schulungen. So können sich Helfende gezielt vorbereiten und lernen, sich selbst zu helfen. „Damit stärkt Mobile Helfer den Zivilschutz und die gesellschaftliche Resilienz insgesamt“, sagt Ariane Kromat, Referentin Beruf und Einsatz bei den Johannitern.
Im Einsatzfall alarmiert die App registrierte Freiwillige automatisch. Per Push-Nachricht erfahren sie Treffpunkt, Einsatzzeit und Kontaktperson und entscheiden freiwillig, ob sie aktiv werden. Vor Ort übernehmen ausgebildete Einsatzkräfte die Koordination. So werden spontan Helfende strukturiert in den Einsatz eingebunden und entlasten die Profis.
Engagement in verschiedenen Stufen
Mitmachen kann jede Person ab 18 Jahren. Die Helfenden bestimmen selbst, wo und in welchem Umfang sie mitwirken möchten:
- 1. Mit der Installation der App haben Helfende Zugang zur Lernplattform und befinden sich auf der ersten Stufe „Einfach informieren“.
- 2. Mit der Registrierung und dem verpflichtenden E-Learning-Kurs „Sicher im Einsatz“ werden weitere Features der App freigeschaltet. Ab dieser Stufe werden Helfende im Katastrophenfall auf Basis der von ihnen hinterlegten Qualifikationen alarmiert.
- 3. „Einfach mitwirken“ umfasst leichte bis schwere körperliche Arbeiten wie Sandsäcke befüllen oder Zelte aufbauen.
- 4. „Spezifisch mitwirken“ bedeutet etwa Unterstützung bei der Pflege, bei handwerklichen Tätigkeiten oder beim Dolmetschen.
Um die Helfenden möglichst langfristig zu binden, setzt Mobile Helfer auf ein „Aktives Ehrenamtsmanagement“. Registrierte Teilnehmende werden regelmäßig über aktuelle Ereignisse und Mitmachangebote informiert und individuell betreut.
Sinnvolle Ergänzung im Bevölkerungsschutz
Mobile Helfer kann ausgebildete Einsatzkräfte nicht ersetzen, mobilisiert aber im Katastrophenfall flexibel zivile Unterstützung. Langfristig soll ein bundesweites Netzwerk entstehen, das nicht nur in der Not Hilfe leistet, sondern auch präventiv wirkt und den Bevölkerungsschutz stärkt. „Wir wollen eine Kultur der Hilfsbereitschaft und Solidarität fördern, in der Bürgerinnen und Bürger ermutigt und befähigt werden, in Krisen spontan und unkompliziert zu helfen“, sagt Ariane Kromat.
Mobile Helfer ist ein Projekt der Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe (BAGEH), bei dem der Verein Mobile Retter mitwirkt. Es wird vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gefördert. Das Konzept wird seit 2022 entwickelt und befindet sich aktuell in der Pilotphase. Die Johanniter-Unfall-Hilfe hat die Lernplattform gestaltet und übernimmt die führende Rolle bei der gemeinsamen Entwicklung des Einsatzplaners sowie der App. Weitere Informationen erhalten Interessierte hier.
Häufig gestellte Fragen
Menschen stärken. Ein Leben lang.
Weitere Themen entdecken2025 hat gezeigt, wie wichtig verlässliche Hilfe und Zusammenhalt sind. Blicken Sie mit uns auf ein Jahr zurück, in dem wir Johanniter unsere Arbeit fortgeführt und neue Impulse geschaffen haben.
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Seit über 70 Jahren setzen sich die Johanniter für Menschen in schwierigen Lebenslagen ein. Entdecken Sie unsere Arbeit, die Menschen dahinter und die vielen Möglichkeiten, sich selbst zu engagieren.