Wir Johanniter
Die Johanniter-Unfall-Hilfe ist eine der größten christlichen Hilfsorganisationen Deutschlands. Seit über 70 Jahren engagiert sie sich im Rettungsdienst, in der Pflege, im Katastrophenschutz, in der Erste-Hilfe-Ausbildung und mit einem starken Netzwerk ehrenamtlich engagierter Menschen. Mit über 79.000 Mitarbeitenden setzt sie sich für Menschlichkeit, Nächstenliebe, Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt ein. Freiwilligendienste wie das FSJ fördern zudem die persönliche und berufliche Entwicklung junger Menschen.
Gemeinsam mehr bewirken
Über die JohanniterZusammenhalt, Menschlichkeit und Einsatzbereitschaft zeichnen uns aus. Als starke Gemeinschaft arbeiten wir dafür, dass Menschen in jeder Situation sicher, mit Würde und selbstbestimmt leben können. Mit mehr als 79.000 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden stehen wir seit mehr als 70 Jahren den Menschen verlässlich zur Seite. Ob im Bevölkerungsschutz, im Rettungs- und Sanitätsdienst, in der ambulanten Pflege, im Hospizdienst, in der Kälte- und Flüchtlingshilfe oder in der Seniorenbetreuung – wir sind da, wenn Hilfe gebraucht wird. Gleichzeitig befähigen wir Menschen, sich selbst und anderen zu helfen: in der Erste-Hilfe-Ausbildung und durch unsere vielen verschiedenen Tätigkeiten im Ehrenamt. Als christliche Hilfsorganisation bedeutet Nächstenliebe für uns, hinzusehen und zu handeln. Vielfalt begreifen wir als Bereicherung, Toleranz als Grundlage unseres Miteinanders. Dieses Selbstverständnis wird vor allem durch die vielen haupt- und ehrenamtlichen Johanniterinnen und Johanniter mit Leben gefüllt.
Zahlen und Fakten
Verantwortung bedeutet, über den Moment hinauszudenken. Deshalb haben wir 2025 erstmals einen Nachhaltigkeitspreis für zukunftsorientierte, soziale Projekte vergeben.
Freiwilligendienst bei den Johannitern
FreiwilligendienstEin Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) gibt Schulabgängern die Chance, sich vor dem Berufseinstieg zu orientieren. Manchen öffnet es sogar die Tür zu ihrem Traumjob. So erging es Gregor Wahner, der seinen Freiwilligendienst bei den Johannitern im Ortsverband Landesbergen absolviert hat.
Als Schüler in der Oberstufe war sich Gregor Wahner sicher, dass er das Präsentieren ganz gut hinbekommt. „Reden vor Leuten war kein so großes Problem für mich. Dachte ich jedenfalls“, sagt der heute Zwanzigjährige. Durch seinen Freiwilligendienst bei den Johannitern im Ortsverband Landesbergen weiß er jedoch: „Da war noch Luft nach oben.“
Gregor war unter anderem als Erste-Hilfe-Trainer im Einsatz und hat Jugendlichen sowie gestandenen Industriearbeitern das Einmaleins der lebensrettenden Sofortmaßnahmen beigebracht. Die Nervosität, mit der er anfangs zu kämpfen hatte, sei zum Glück rasch verschwunden. Diese neue Selbstsicherheit hat ihm auch bei seinem späteren Berufseinstieg geholfen.
Sich nach der Schule im FSJ ausprobieren
Ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder auch der Bundesfreiwilligendienst (BFD) dienen der beruflichen Orientierung. Der wichtigste Unterschied: Ein FSJler darf höchstens 27 Jahre alt sein, der BFD steht allen Altersgruppen offen. Bei beiden Modellen stellen sich die Freiwilligen ein bis eineinhalb Jahre in den Dienst der Gemeinschaft.
Gregor, aufgewachsen in Celle, kam 2024 zu den Johannitern. „Ich wollte etwas mit Menschen zu tun haben. Ihnen etwas beibringen zu können, finde ich total spannend.“ Seinen ursprünglichen Plan, direkt nach der Schule eine Ausbildung bei der Polizei in Nienburg zu beginnen, musste er kippen. Ihm fehlte das Abitur. Doch das FSJ wird als praktischer Teil der Fachhochschulreife anerkannt. Mit dem Freiwilligendienst hat Gregor also die Karten für seinen Traumberuf zu seinen Gunsten neu gemischt.
Der Johanniter-Ortsverband Landesbergen arbeitete ihn ins Erste-Hilfe-Thema ein. Er besuchte Lehrgänge und Pädagogikseminare und absolvierte eine von Mentoren begleitete Praxisphase. Anschließend leitete Gregor mehrere Kurse im Monat. Die Kenntnisse, die er dort vermittelt hat, können im Notfall Leben retten. Außerdem half er in der Verwaltung und begleitete den einen oder anderen Sanitätsdienst. Ein Jahr mit großer Aufgabenvielfalt. Inzwischen ist sein Dienst als FSJler abgeschlossen.
Warum der Freiwilligendienst wertvoll ist
Das FSJ habe ihm gefallen, sagt Gregor. So sehr, dass er für einen Moment über einen Berufswechsel in den Rettungsdienst nachgedacht habe. Ein Weg, den seine Vorgängerin wählte. „Ich durfte sogar eine Schicht in einer Rettungswache begleiten. Das war richtig cool.“ Toll fand er auch das Feedback, das er häufig nach Abschluss eines Kurstages von seinem Publikum bekam. „Meistens positiv, weil die Teilnehmenden Neues lernten.“
Was man für ein FSJ bei den Johannitern braucht? „Kritik annehmen zu können und sich auf Neues einzulassen, das würde ich Interessierten auf jeden Fall empfehlen.“ Mehr Voraussetzungen, vom Führerschein einmal abgesehen, seien gar nicht so entscheidend.
Letztlich hielt Gregor an seinem ursprünglichen Berufswunsch fest, zog sein FSJ durch und sammelte Erfahrungen. Die hat Gregor in seine Berufsausbildung mitgenommen. Mit der Polizei in Nienburg hat es gleich im Anschluss geklappt. Als Erste-Hilfe-Trainer bleibt Gregor dem Ortsverband Landesbergen aber weiter ehrenamtlich treu.
Interessierte können ein Freiwilliges Soziales Jahr bei den Johannitern in verschiedenen Einsatzbereichen absolvieren, zum Beispiel im Rettungsdienst, in der Pflege, in der Kita oder in der Jugendarbeit. Ein Einstieg ist jederzeit möglich. Eltern, deren Kinder ein FSJ absolvieren, haben weiterhin Anspruch auf Kindergeld.
50 Jahre Ehrenamt mit Tatkraft, Humor und Muffins
Ehrenamtliches Engagement
Im September 2025 feierte Helga Christ ihr großes Jubiläum: 50 Jahre Ehrenamt im Sanitätsdienst. Eine lange Zeit, in der sie das „Wir-Gefühl“ in der Johanniter-Unfall-Hilfe aktiv mitgestaltete – und nebenbei ein unwiderstehliches Kultgebäck erfand. Für ihr Engagement ehrte sie der Landesverband Hessen/Rheinland-Pfalz/Saar mit dem Jubiläumsabzeichen.
In ihrer beruflichen Laufbahn hätte Helga Christ schon vor vier Jahren in Rente gehen können. Die gelernte Chemielaborantin arbeitete jedoch noch eineinhalb Jahre weiter. Ein Projekt musste noch abgeschlossen und das Büro organisiert werden. „Das war für beide gut – und mein Chef konnte noch auf mich zählen“, erklärt die 68-Jährige. Eine Frau, auf die Verlass ist. Wenig später stand der nächste Abschied an: Nach 50 Jahren schied sie nun auch aus dem aktiven ehrenamtlichen Dienst bei den Johannitern aus.
Etwas Soziales sollte es sein
Begonnen hat Helga Christ ihre „ehrenamtliche Karriere“ mit 18 Jahren. Etwas Soziales sollte es sein, ihre drei älteren Geschwister waren allesamt Krankenschwestern. Doch vor dem intensiven Kontakt mit Patienten hatte sie zu viel Respekt. „Meine damalige Ausbilderin erzählte von einem Helferabend der Johanniter und nahm mich einfach mit.“ So landete sie im Sanitätsdienst, fuhr an den Wochenenden ehrenamtlich auf dem Rettungswagen mit, war nach Feierabend bei Krankentransporten dabei oder machte an freien Tagen Laborfahrten. Bis Ende der 1970er Jahre wurden einige dieser Aufgaben von den neu dazu gekommenen Zivildienstleistenden übernommen. In einen der jungen Männer verliebte sie sich – er wurde ihr Ehemann und Vater ihrer zwei Söhne.
Da Job, Familie und Ehrenamt doch zu viel des Guten waren, zog sie sich eine Weile aus dem Rettungsdienst zurück. Den Johannitern des Regionalverbandes Hessen West blieb sie dennoch treu: Sie arbeitete im Büro des Bereitschaftsführers des Katastrophenschutzes und sorgte für Nachwuchs im Verband. Einer ihrer Söhne ist Berufsfeuerwehrmann und fährt gelegentlich für den Johanniter-Rettungsdienst. Der andere arbeitet als Notfallsanitäter und Praxisanleiter in Wiesbaden.
Schoko-Banane statt Zucchini
Seit ihre Jungs groß sind, ist auch Helga Christ wieder mit den Sanitätern im Einsatz. Als im Jahr 2001 einer der Kollegen beim Rosenmontagseinsatz Geburtstag feierte, entschloss sie sich kurzerhand zu backen. „Der Kuchen kam sehr gut an“, erinnert sich die ehrenamtliche Helferin. Ein Jahr später war klar: Ohne ihr Backwerk ist der nächste Rosenmontagseinsatz nicht durchzustehen. Der Handlichkeit wegen stieg Helga Christ auf Muffins um. Seither sind ihre Leckereien zu Rosenmontag ein Muss. Die Schoko-Banane-Variante ist der erklärte Liebling. Ein Versuch mit Zucchini wurde hingegen verworfen. Jetzt sind es etwa 300 Muffins, die Helga Christ vor jedem Rosenmontag in ihrer Küche backt. Jedes Jahr.
Mehr als nur Naschwerk
Dahinter steckt mehr als nur ein bisschen Naschwerk für lange Tage. Denn ehrenamtliches Engagement, wie die sanitätsdienstliche Absicherung von Großevents, basiert auf dem Gedanken der Gemeinschaft. Wenn Menschen sich in ihrer Freizeit einbringen, um als Helfer für andere da zu sein, dann ist das „Wir“ besonders wichtig. „Sanitätsdienste sind lang, anstrengend und gehen oft an die Substanz. Da ist eine gute Stimmung besonders wichtig“, sagt sie. Und auch, wenn sie nun nicht mehr selbst im Sanitätsdienst unterwegs ist, bleibt Helga Christ den Johannitern noch eine Weile erhalten. Schon allein wegen der dringend erwarteten Muffins.
Häufig gestellte Fragen
Menschen stärken. Ein Leben lang.
Weitere Themen entdecken2025 hat gezeigt, wie wichtig verlässliche Hilfe und Zusammenhalt sind. Blicken Sie mit uns auf ein Jahr zurück, in dem wir Johanniter unsere Arbeit fortgeführt und neue Impulse geschaffen haben.
Sicherheit beginnt mit Vorbereitung
Fokusthema Resilienz
Mit neuen Konzepten für den Bevölkerungsschutz stärken wir Johanniter die Resilienz unserer Gesellschaft und bereiten Menschen darauf vor, in Krisensituationen handlungsfähig zu bleiben.