Auslandshilfe
2025 war ein Jahr humanitärer Krisen: Kriege im Sudan, im Nahen Osten und in der Ukraine trieben über 80 Millionen Menschen in die Flucht, während internationale Hilfsgelder auf einen historischen Tiefstand sanken. Wir Johanniter blieben dennoch aktiv, mit 65 Projekten in 19 Ländern: In Gaza versorgten wir trotz zerstörter Infrastruktur mehr als 230.000 Patientinnen und Patienten in dreizehn Gesundheitszentren, wobei mehrere Mitarbeitende unserer Partnerorganisationen bei Angriffen ums Leben kamen. Im Südsudan behandelten unsere Gesundheitsstationen täglich rund 80 unterernährte Kinder und Erwachsene, begleitet von Hausbesuchen und Schulungen zu klimaresistentem Anbau.
Hilfe unter Druck
2025 war geprägt von menschlichen Tragödien: Kriege im Sudan, im Nahen Osten und in der Ukraine sorgten erneut für Millionen Geflüchtete und intern Vertriebene. Über 80 Millionen Menschen sind aktuell auf der Flucht, während gleichzeitig Hilfsbedarfe steigen und staatliche Mittel sinken. Die Johanniter unterstützen Betroffene und Mitarbeitende vor Ort — trotz wachsender Risiken und knapper Ressourcen.
Zahlen und Fakten
Die Mittel für humanitäre Hilfe sind bereits auf einem historischen Tiefstand und sollen weiter gekürzt werden. Jede Senkung heißt, weniger Menschen auf der Welt erreichen zu können und damit deren Leben zu gefährden.
Medizinische Hilfe unter schwierigsten Bedingungen
Unser Engagement in Gaza
Die humanitäre Lage im Gazastreifen blieb auch 2025 dramatisch. Zerstörte Gesundheitsinfrastruktur, zeitweise geschlossene Grenzen für Hilfslieferungen sowie knappe Bestände an Medikamenten und Treibstoff bestimmten den Alltag von Millionen Menschen. Wiederkehrende Kampfhandlungen erschwerten nicht nur die Zufuhr von Hilfsgütern, sondern gefährdeten auch die Arbeit derjenigen, die vor Ort Hilfe leisteten.
Vor diesem Hintergrund haben wir gemeinsam mit unseren Partnern lebenswichtige medizinische Leistungen aufrechterhalten und dort gestärkt, wo die Not am größten war. Gemeinsam mit Juzoor, dem St. John Eye Hospital und der britischen Organisation UK‑Med haben wir 2025 daran gearbeitet, die medizinische Grundversorgung in den betroffenen Regionen zu sichern. In dreizehn von uns unterstützten Zentren wurden im vergangenen Jahr mehr als 230.000 Patientinnen und Patienten versorgt. Das Angebot reichte von der Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen über Mutter‑Kind‑Versorgung und Impfprogramme bis hin zur Augenheilkunde sowie Screening und Therapie von Unter‑ und Mangelernährung.
Besondere Bedeutung hatte die Wiederinbetriebnahme zerstörter Einrichtungen: In enger Abstimmung mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem UNDP und dem palästinensischen Gesundheitsministerium konnten mehrere Gesundheitszentren instand- gesetzt werden. Beispiele hierfür sind die Sanierung des Sheikh‑Radwan‑Krankenhauses und die Wiedereröffnung des Al‑Tayeb‑Gesundheitszentrums. Seit ihrer Reaktivierung versorgen diese Einrichtungen jeweils bis zu 1.300 Menschen täglich und sind somit für viele Gemeinden die zentrale Anlaufstelle für medizinische Hilfe.
Arbeit unter lebensgefährlichen Bedingungen
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Partner leben und arbeiten täglich unter extremer Gefahr. Wiederholte Luft‑ und Artillerieangriffe in Kliniknähe, die Zerstörung von Gebäuden, die Schließung von Versorgungswegen sowie Trinkwasser- und Treibstoffmangel erschweren den Betrieb erheblich. Besonders schmerzhaft und alarmierend ist die Tatsache, dass humanitäre Helferinnen und Helfer wiederholt Opfer von Angriffen wurden: 15 Mitarbeitende unserer Partnerorganisationen kamen 2025 bei ihrer Arbeit im Gazastreifen ums Leben.
Schutz der Zivilbevölkerung muss sichergestellt werden
Die Erfahrungen des Jahres 2025 machen deutlich: Humanitäre Hilfe kann nur wirken, wenn der Schutz der Zivilbevölkerung, von Gesundheitseinrichtungen und von Helfenden gewährleistet ist. Das Völkerrecht schreibt den Schutz von Zivilpersonen und zivilen Einrichtungen in bewaffneten Konflikten vor. Angriffe auf Krankenhäuser, Kliniken und humanitäre Teams sind demnach unzulässig und müssen unterlassen werden. Nur wenn internationale humanitäre Normen respektiert werden und Menschen in Not ungehindert erreicht werden können, lässt sich eine nachhaltige medizinische Grundversorgung sicherstellen.
Wenn Nahrung Leben rettet
Hilfe für den Südsudan
Der Südsudan gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Zwei Drittel seiner Bevölkerung sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Eines der dringendsten Probleme ist die verbreitete Unterernährung. Nahrungsmittel sind knapp, so dass fast 8 Millionen Menschen im Land von Hunger bedroht sind. Vor allem Kinder, schwangere und stillende Frauen sind in Gefahr.
So erging es auch Wissad Habib Dauelbet, die mit ihrem Mann und zwei Kindern vor massiver Gewalt aus dem benachbarten Sudan fliehen musste. Nun lebt die Familie seit einem Jahr im Flüchtlingscamp Boro Medina im Südwesten des Landes, zusammen mit 20.000 anderen Geflüchteten.
„Das Leben hier ist hart“, sagt sie. „Wir haben oft nicht genug Wasser, und Essen ist auf dem Markt sehr teuer.“ Das wenige Geld, das Wissads Mann verdient, reicht nicht aus, um die ganze Familie zu ernähren. Nachdem ihr jüngster Sohn geboren wurde, blieb er klein und schwach. Wissad fand Hilfe in der Gesundheitsstation der Johanniter. Dort wurde das Kind untersucht und erhielt Aufbaunahrung, sie selbst wurde zur Ernährung ihres Sohnes beraten. „Er hat deutlich zugenommen, ich bin sehr glücklich“, sagt sie.
Die Mitarbeitenden unserer Gesundheitsstation im Camp geben alles, um die 80 Patientinnen und Patienten pro Tag bestmöglich zu versorgen. Sie vermessen die Kinder, wiegen sie und ermitteln mithilfe eines farblich markierten Bands am Oberarm der Kleinen, wie stark die Unterernährung vorangeschritten ist, bevor sie Therapie und Beratung einleiten. Damit kein Kind vergessen wird, sind Gesundheitshelfende im Camp unterwegs. Sie gehen von Haus zu Haus und schicken Verdachtsfälle in die Praxis.
Auch außerhalb der Camps sind wir im Südsudan gegen Unterernährung aktiv. Speziell ausgebildete Gesundheits- und Ernährungsberater sind in den Dörfern entlegener Regionen unterwegs und erreichen somit Familien, die sonst kaum Zugang zu medizinischer Versorgung hätten. Sie testen die Patienten auch auf lebensbedrohliche Krankheiten wie Malaria, Lungenentzündung und Durchfall und haben die entsprechenden Medikamente dabei.
Um die Ernährungssituation der Menschen nachhaltig zu verbessern, erfahren Bauern und Bäuerinnen in Schulungen und in Lehrgärten, wie sie trotz der Folgen des Klimawandels wie Dürren und Überschwemmungen erfolgreich nahrhaftes Gemüse anbauen können, um sich und ihre Familien zu ernähren und mit dem Verkauf von Überschüssen ein Einkommen zu generieren. Dafür erhalten sie auch widerstandsfähiges Saatgut und die nötigen Geräte. „So können sich die Menschen versorgen. Die Selbstwirksamkeit stärkt sie, gibt ihnen eine Perspektive und macht sie unabhängiger von Hilfen“, sagt Cephas Munjeri, Johanniter-Regionaldirektor für Afrika.
Die Kürzung der Budgets für humanitäre Hilfe durch internationale Geber gefährdet die Fortführung der Projekte. Denn Materialien, Medikamente und Personal benötigen eine stabile finanzielle Grundlage, die jedoch zunehmend infrage steht. „Wir sollten unsere Arbeit für die Menschen im Südsudan unbedingt weiterführen, denn sie macht einen Unterschied – jeden Tag“, sagt Munjeri.
Häufig gestellte Fragen
Menschen stärken. Ein Leben lang.
Weitere Themen entdecken2025 hat gezeigt, wie wichtig verlässliche Hilfe und Zusammenhalt sind. Blicken Sie mit uns auf ein Jahr zurück, in dem wir Johanniter unsere Arbeit fortgeführt und neue Impulse geschaffen haben.
Sicherheit beginnt mit Vorbereitung
Fokusthema Resilienz
Mit neuen Konzepten für den Bevölkerungsschutz stärken wir Johanniter die Resilienz unserer Gesellschaft und bereiten Menschen darauf vor, in Krisensituationen handlungsfähig zu bleiben.