Bildung und Ausbildung

Passgenaue und innovative Bildungsformate

Teil des Jahresberichts 2025

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Bildung und Ausbildung

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Wir Johanniter ermöglichen Bildung, die stärkt und Teilhabe schafft. Zwei Projekte liegen uns dabei besonders am Herzen: SHIELD setzt sich für einen inklusiveren Katastrophenschutz ein und entwickelt passende Angebote für Menschen mit Behinderung. Die Johanniter-Lesehunde helfen Kindern mit Leseschwierigkeiten und fördern ihre Freude am Lesen.

Gebündelte Bildungskompetenz

Johanniter-Bildungswerk

Als Antwort auf neue Anforderungen im Bildungsbereich gründeten die Johanniter Anfang 2026 das Johanniter-Bildungswerk: Ein bundesweites Kompetenzzentrum, das innovative Bildungsformate entwickelt, koordiniert und umsetzt – angepasst an die aktuellen und zukünftigen Lernbedarfe von Menschen und Unternehmen. Die Kombination aus digitalen und Präsenzangeboten stärkt die Ausbildungs- und Einsatzfähigkeit der Johanniter: Blended-Learning-Formate und flexible Kursanpassungen machen qualitativ hochwertige Bildung schnell und passgenau zugänglich.

Zahlen und Fakten

306.422
Teilnehmende an Aus- und Fortbildungen in Erster Hilfe
55.497
Teilnehmende am Kurs „Erste Hilfe am Kind“
16.771
Brandschutz- und Evakuierungsausbildungen
11.575
Ersthelfer von morgen geschult
Wir wollen Bildungsangebote mit guter Qualität, breitem Themenspektrum und modernen Mitteln für alle Menschen zugänglich machen. Auch für Unternehmen ist das Johanniter-Bildungswerk als zentrales Kompetenzzentrum ein attraktiver Kooperationspartner.
Ralf Sick, Leiter des Johanniter-Bildungswerks

SHIELD: Inklusive Bildung im Katastrophenschutz

Inklusive Bildungsangebote

Damit auch Menschen mit Behinderung im Katastrophenfall gut geschützt sind, müssen sie von Anfang an in die Vorsorge einbezogen werden. Diesen Ansatz verfolgt das Bildungsprojekt SHIELD, das im Dezember 2025 gestartet ist. Koordiniert wird es von der Johanniter-Akademie Mitteldeutschland in Zusammenarbeit mit europäischen Partnern.

Wie müssen Erste-Hilfe-Kurse angepasst werden, damit auch Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen im Notfall helfen können? Foto: Ariane Kromat/Johanniter-Akademie NRW

Katastrophen wie die Flut im Ahrtal haben gezeigt, dass Menschen mit Behinderung in Notfallsituationen besonders gefährdet sind. Dennoch werden ihre spezifischen Bedürfnisse bisher weder in der Katastrophenvorsorge noch im Zivilschutz ausreichend berücksichtigt. Mit dem EU-geförderten Projekt SHIELD soll sich das ändern.

Ein europäisches Konsortium entwickelt dazu neue Schulungsmaterialien, Train-the-Trainer-Konzepte und angepasste Erste-Hilfe-Kurse für Menschen mit körperlichen und kognitiven Beeinträchtigungen. Durch die enge Kooperation mit Organisationen von und für Menschen mit Behinderung wird sichergestellt, dass deren Perspektiven und Erfahrungen von Anfang an berücksichtigt werden.

Inklusive Bildung: Wie müssen die Lehrpläne des Katastrophenschutzes angepasst werden, damit auch Menschen mit Behinderung mit ihren Bedürfnissen berücksichtigt werden? Foto: Jennifer Niedecker

Ersthelfende spezifisch schulen

Ein zentraler Baustein des Projekts sind praxisorientierte Schulungsmodule. Diese sensibilisieren Ersthelfende für die spezifischen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung bei Katastrophen und in Notfalleinsätzen. Grundlage dafür ist eine Bedarfsanalyse, die ebenfalls Teil des Vorhabens ist. Geplant sind außerdem gemeinsame Katastrophenschutzübungen mit Menschen mit Behinderung als Teilnehmende oder Rollenspielende. Sie sollen das gegenseitige Verständnis fördern, die Reaktionsfähigkeit verbessern und das Selbstvertrauen aller Beteiligten stärken.

Menschen mit Behinderung befähigen

Menschen mit Behinderung sollen aber auch selbst Erste Hilfe leisten können und besser auf Notfälle vorbereitet sein. Dazu werden im Rahmen von SHIELD spezielle Erste-Hilfe-Kurse für Menschen mit Behinderung entwickelt. Sie befähigen die Teilnehmenden, Notfallsituationen richtig zu erkennen, erste Schritte einzuleiten und als Multiplikatoren in ihrem Umfeld zu wirken.

Ideen europaweit verbreiten

Damit SHIELD eine langfristige Wirkung erzielt, fassen die Partner die wichtigsten Erkenntnisse, Empfehlungen und Schulungskonzepte in einem mehrsprachigen Katastrophenschutz-Handbuch zusammen und stellen SHIELD auf Veranstaltungen vor. Das Handbuch wird Katastrophenschutzbehörden, Rettungsdiensten, Behindertenorganisationen und politischen Entscheidungsträgern in ganz Europa zur Verfügung gestellt.

„Mit SHIELD stärken wir die Resilienz, Sicherheit und Teilhabe von Menschen mit Behinderung im Zivilschutz und Katastrophenmanagement “, sagt Jana Goldberg, Fachbereichsleitung Internationale Bildung & Integration. „Gleichzeitig setzen wir ein Zeichen für mehr Inklusion in der Erwachsenenbildung.“

Gut zu wissen

SHIELD steht für “Safety and Health: Inclusion to Emergency Training and First Aid for Disabled Persons”. Das europäische Konsortium besteht aus:

Das Projekt hat eine Laufzeit von 24 Monaten und wird durch das Programm Erasmus+ der Europäischen Union kofinanziert.

Lesen lernen ohne Angst

Johanniter-Lesehunde

Können Hunde Kindern beim Lesenlernen helfen? Hundeführer Helmut Winter war fest davon überzeugt, als er vor fast zehn Jahren die Idee für die Johanniter-Lesehunde hatte. Der Erfolg gibt ihm recht: 2025 wurde das Projekt am Standort der Johanniter-Hilfsgemeinschaft Meerbusch sogar mit dem Deutschen Lesepreis der Stiftung Lesen ausgezeichnet.

Der siebenjährige Tobias lümmelt bäuchlings auf dem grünen Sitzsack, den Kopf über ein aufgeklapptes Buch gebeugt. Neben ihm auf dem Teppich liegt die braune Labradorhündin Luna – mit wachem Blick und gespitzten Ohren. Luna ist einer von über 120 ausgebildeten Johanniter-Lesehunden, die Schulkinder mit Leseschwierigkeiten begleiten.

Wie Lesehunde den Druck rausnehmen

Rund ein Viertel aller Viertklässler hat Schwierigkeiten mit dem Lesen. „Doch Lesenlernen hat weniger mit Intelligenz zu tun, als mit der Bewältigung von Ängsten“, sagt Kinderärztin Dr. Irene von Seebach. Sie ist Projektleiterin Lesehund der Johanniter-Hilfsgemeinschaft (JHG) Meerbusch. Hunde sind wertfreie und geduldige Zuhörer. Sie helfen damit Kindern wie Tobias, ihre Ängste zu überwinden. Studien zeigen: Ein Hund im Raum reduziert den Stress und stärkt die Lernbereitschaft. Wenn der Druck wegfällt, macht Lesen plötzlich wieder Spaß.

Eine Idee macht Schule

Helmut Winter hat das Projekt Lesehund 2017 bei der Johanniter-Unfall-Hilfe im Regionalverband Mittelfranken eingeführt. Der Hundeführer leitet die sogenannte tiergestützte Intervention und nimmt auch die Lesehunde-Prüfung ab. Auf lokaler Ebene entwickelten sich dann schnell viele Einzelinitiativen.

Hundeführer Helmut Winter mit Pudel Enzo bei der Ausbildung zum Johanniter-Lesehund. 2027 feiert „sein“ Lesehund-Projekt in Mittelfranken 10-jähriges Jubiläum. Foto: JUH/RV Oberfranken/Patrizia Renninger
Lesehund-Pate Oliver Mommsen hat zwar selbst keinen Vierbeiner, aber ein Händchen für Lesehündin Leni. Foto: Birte Zellentin

2025 haben die Johanniter die Ausbildung zum Lesehund noch einmal ganz neu aufgestellt. „Jetzt arbeiten alle Teams nach gleichen Vorgaben“, sagt Carsten Cüppers, Fachbereichsleiter Breitenausbildung im Johanniter-Bildungswerk. „Auch die Voraussetzungen wie Versicherungsschutz oder Nachweispflichten für Impfungen haben wir definiert.“ So soll die Einstiegshürde für andere Johanniter-Verbände und -Hilfsgemeinschaften sinken, damit die Idee weiter Schule macht.

Gut zu wissen

Die Johanniter-Lesehunde sind spendenfinanziert. Aktuell engagieren sich 123 ehrenamtliche Mensch-Hund-Teams in zehn regionalen Initiativen. Seit 2017 konnten sie ca. 1.000 Kindern dabei helfen, ihre Leseschwierigkeiten zu überwinden.

Rückenwind für bessere Bildungschancen

Im Februar 2025 wurde das Lesehund-Projekt der JHG Meerbusch mit dem Deutschen Lesepreis ausgezeichnet. Seither melden immer mehr Schulen Interesse an. Der ehemalige Tatort-Schauspieler Oliver Mommsen, der bei der Preisverleihung die Laudatio hielt, war so begeistert, dass er eine offizielle Lesehund-Patenschaft übernahm. Das sorgt für noch mehr Rückenwind.

Helmut Winter denkt noch größer. Sein Traum ist, dass Lesehunde an allen Schulen zum festen Angebot gehören. „Damit noch mehr Kinder eine niedrigschwellige Leseförderung und gleiche Bildungschancen bekommen.“ Er selbst trägt seinen Teil dazu bei und besucht regelmäßig ehrenamtlich mit seiner Golden-Retriever-Hündin eine Schule.

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