Mosambik: „Die größte Herausforderung steht noch bevor"

Berlin, 23. April 2019

Linda Zimmermann (Bildmitte) war zwei Wochen in Mosambik im Einsatz. ©Lena Mucha

Linda Zimmermann arbeitet bei der Johanniter-Auslandshilfe als Projektkoordinatorin. Sie war Mitglied des zweiten Erkundungsteams in Mosambik, um weitere Hilfsmaßnahmen in die Wege zu leiten. Hier berichtet Sie nach ihrer Rückkehr von ihrem zweiwöchigen Einsatz.

Sie sind seit Kurzem aus einem zweiwöchigen Erkundungseinsatz für die Johanniter aus Mosambik zurück. Wenn Sie zurückblicken: Was hatten Sie erwartet und haben sich die Erwartungen bestätigt?

Zum Zeitpunkt unserer Einreise lagen uns noch nicht viele Informationen über die am stärksten betroffene Region rund um Beira vor. Obwohl der Zyklon zwei Wochen vorher über die Region hereinbrach, konnten wir uns im Voraus kein realistisches Bild machen. Abgedeckte und beschädigte Häuser, entwurzelte Bäume und viele Menschen in Behelfshütten oder Zeltcamps waren unsere ersten Eindrücke nach unserer Landung in Beira. Die Infrastruktur war stark beschädigt. Da jedoch Strom und Telefon zumindest in der Stadt wieder funktionierten, war ein teilweise geregeltes Leben wieder möglich. Die riesigen Überschwemmungen, die noch wochenlang die Provinzen südlich von Beira bedeckten, sahen wir erst Tage später vom Hubschrauber aus. Auch unsere Erkundungen in die ländlichen Regionen in Richtung Simbabwe vermittelten uns ebenfalls ein anderes Bild: Die meist arme Bevölkerung verlor durch den Zyklon ihre gesamte Ernte und ihre Hütten.

Was war Ihre genaue Aufgabe im Team?
Unser vierköpfiges Erkundungsteam bestand aus zwei Logistikern, einer Medienkoordinatorin und mir. Meine Aufgabe bestand darin, einen Überblick über die Gesamtsituation zu bekommen, Projektideen für ein längerfristiges Engagement der Johanniter vor Ort zu sammeln und Gespräche mit möglichen Projektpartnern zu führen. Ziel war es, Anknüpfungspunkte über die aktuelle Nothilfe hinaus zu finden, um auch mittel- und langfristig den betroffenen Menschen in Mosambik zu helfen.

Zimmermann bei einem Feldbesuch in Chimoio: "Viele Hütten standen noch Wochen danach im Wasser." ©Johanniter/Flurschütz

Was waren die besonderen Herausforderungen in diesem Einsatz?

Ganz klar war es die Nothilfe-Logistik. In einem Einsatz nach einer Naturkatastrophe ist oft die Infrastruktur schwer beschädigt. Gleichzeitig müssen viele Hilfsgüter eingeführt werden. Beschädigte Flughäfen und Hauptverkehrsstraßen können dabei eine schnelle Hilfe stark behindern. Durch unsere Assessment-Einsätze für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) per Hubschrauber sahen wir nicht nur das ganze Ausmaß der Überschwemmungen, sondern es wurde uns auch sehr schnell klar, wie herausfordernd es werden würde, allen betroffenen Menschen schnell und effizient zu helfen - in einem Land, das dünn besiedelt ist und in dem die Menschen nur schwer zu erreichen sind. Bei unseren Erkundungsflügen sahen wir oft kleine Siedlungen aus vier bis fünf Hütten, die immer noch im Wasser standen und noch keine Hilfe erhalten hatten.

Was benötigt das Land nun, nachdem die Nothilfe fast abgeschlossen ist?

Die Bedarfe waren schon vor dem Zyklon riesig - in allen Bereichen. Auch wenn sich jetzt die erste Welle der akuten Nothilfe dem Ende zuneigt und viele Organisationen das Land verlassen, ist die schwierige Situation der Menschen nicht überstanden. Die größte Herausforderung steht de facto sogar noch bevor: Durch die Wassermengen wurden große Teile der Ernte zerstört, die für weite Teile der Bevölkerung die Lebensgrundlage bildet. Ohne Saatgut werden sie nicht in der Lage sein, sich selbst zu versorgen. Dazu kommen die wirklich katastrophalen hygienischen Bedingungen, die zu der weiteren Verbreitung von Cholera beitragen.

Erfahren Sie hier mehr über unsere Maßnahmen in Mosambik

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Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz - Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

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