Neun Jahre Krieg in Syrien: Eine Region am Abgrund

Berlin, 13. März 2020

Nach neun Jahren Krieg in Syrien ist die gesamte Region von den Auswirkungen tief gezeichnet. Millionen Flüchtlinge haben in den Nachbarländern Zuflucht gesucht, andere Länder sind aktiv im Krieg involviert oder durch Ableger bewaffneter Gruppen selbst betroffen. Die Johanniter haben seit 2019 aufgrund der Machtverschiebungen im Land keine Projektaktivitäten mehr in Syrien. Im Irak und dem Libanon stehen Flüchtlinge im Fokus der Hilfsmaßnahmen. Wie desolat die Lage in den meisten Ländern und für Millionen Geflüchtete derzeit aussieht, beschreiben wir hier.

Syrische und palästinensische Flüchtlinge treffen im Libanon auf eine sich verschlechternde wirtschaftliche Lage. ©Johanniter

In Syrien benötigen über elf Millionen Menschen humanitäre Hilfe. 4,7 Millionen sind in akuter Not, während mehr als sieben Millionen intern vertrieben worden sind. Im Nordwesten des Landes hatten heftige Angriffe in den letzten drei Monaten mehr als 1,2 Millionen Menschen vertrieben. Inzwischen haben mehr als 5,5 Millionen Syrer Zuflucht in den Nachbarländern gesucht.

Der Libanon hat mit 173 Flüchtlingen pro 1.000 Einwohner die weltweit höchste Anzahl von Flüchtlingen aufgenommen. Rund 910.000 Menschen aus Syrien haben dort Zuflucht gesucht. Viele von ihnen unterliegen Ausgangssperren, Vertreibungen, willkürlichen Verhaftungen und anderen Bewegungseinschränkungen. Die Regierung kündigte kürzlich an, dass sie zum ersten Mal in ihrer Geschichte die Rückzahlung von Staatsschulden nicht mehr leisten kann. Die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage hat auch direkte Auswirkungen auf die Situation der Flüchtlinge beim Zugang zu Dienstleistungen und zum Arbeitsmarkt.

Jordanien beherbergt mehr als 650.000 registrierte und eine große Anzahl nicht registrierte syrische Staatsangehörige. Fast 81 Prozent stammen aus den armen ländlichen syrischen Gebieten rund um Dara'a, wo der Konflikt bis 2018 eskalierte. Nach neun Jahren der Vertreibung leben mehr als 90 Prozent der syrischen Flüchtlinge unterhalb der Armutsgrenze. Sie sind abhängig von humanitärer Hilfe oder kämpfen allein ums tägliche Überleben. Laut UNICEF sind 94 Prozent der syrischen Flüchtlingskinder unter fünf Jahren tief verarmt, 38 Prozent besuchen keine Schule.

Nach dem Konflikt mit dem IS leistet unser Partner Jiyan Foundation medizinische Hilfe und Traumabewältigung u.a. für Rückkehrer in den kurdisch kontrollierten Gebieten. ©Jiyan Foundation

Im Irak erreichte der militärische Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) im Dezember 2017 seinen Höhepunkt. Zwei Jahre danach bestehen weiterhin tiefe soziale, ethnische und religiöse Spannungen. Im August 2019 schloss die irakische Regierung eine Reihe von Vertriebenenlagern mit dem erklärten Ziel, dass alle Vertriebenen bis Ende 2020 in ihre Heimat zurückkehren. Der aktuelle Konflikt in Syrien macht dies jedoch unmöglich. Von sechs Millionen Menschen, die während des Konflikts mit dem IS vertrieben wurden, benötigen 4,1 Millionen Menschen humanitäre Hilfe. Fast 400.000 leben immer noch in Vertriebenenlagern. Die meisten befinden sich in den Provinzen Ninewa und Al-Anbar.

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