Myanmar

Im Vielvölkerstaat Myanmar leben offiziell 135 ethnische Gruppen. Während einige Gruppen wie die Karen weiterhin mit Waffengewalt für mehr politische und kulturelle Autonomie kämpfen, sind andere wie die muslimischen Rohingya nicht einmal als Staatsbürger anerkannt. Hunderttausende mussten 2017 nach Gewaltausbrüchen fliehen. Zusätzlich wird Myanmar oft von Naturkatastrophen heimgesucht. Zusammen mit tiefer Armut und mangelnder Infrastruktur sind die Menschen in dem Staat besonders gefährdet. Die Johanniter engagieren sich seit 2008 mit medizinischer Expertise, Katastrophenvorsorge und Maßnahmen für bessere Einkommensgrundlagen.

Das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen UNHCR schätzt, dass insgesamt rund 95.000 birmesische Flüchtlinge in neun Camps in Thailand leben. Die grpße Mehrheit sind Karen und Karenni. Dank eines Waffenstillstandes konnten einige von ihnen wieder zurück in ihre Heimat. Ma Tin war eine von ihnen. Bei ihrer Rückkehr stand sie jedoch vor dem Nichts. Eine zusammengefallene Bambushütte war ihr Zuhause. „Ich lebe weiter darin, denn etwas anderes gibt es nicht.“ Ma Tin gehört als Karen zur zweitgrößten ethnischen Minderheit im Vielvölkerstaat Myanmar, die seit 1948 gegen die Zentralregierung kämpfen und einen unabhängigen Staat fordern. Deshalb musste Ma Tin im Alter von 16 Jahren aus ihrer Heimat fliehen. Fast 30 Jahre lang harrte sie in einem Flüchtlingslager in Thailand aus.

Unterstützung beim Neuanfang

Die Johanniter haben in den vergangenen Jahren Flüchtlinge wie Ma Tin mit landwirtschaftlichen Geräten, Saatgut und Haustieren unterstützt, um sich eine Einkommensgrundlage aufbauen zu können. In Schulungen wurde ihnen erklärt, wie sie Felder anlegen und bewirtschaften können. „Viele der Flüchtlinge lebten teilweise über Jahrzehnte nur von den Früchten des Dschungels oder Hilfeleistungen der internationalen Gemeinschaft. Wie sie selbst ein Feld bewirtschaften, eigene Zuchtstationen aufbauen und die Ernte lagern, mussten viele erst neu lernen“, erklärt Claudia Zehl, Fachbereichsleiterin bei den Johannitern.

Dank der Unterstützung der Johanniter habe ich nun die Möglichkeit, mich selbst zu ernähren und ein Einkommen zu erwirtschaften“, freut sich Ma Tin.

Während die einen zurückkehren, droht anderen weiterhin die Flucht: Im Rakhine-Staat im Westen des Landes verließen 2017 hunderttausende Rohingya das Land in Richtung Bangladesch, nachdem Dörfer systematisch zerstört, Menschen getötet und misshandelt wurden. Wer geblieben ist, lebt in ständiger Angst und unter Ausgrenzung. 2018 begannen die Johanniter ein Hilfsprojekt in Rohingya-Gemeinden, das sie bei der Hilfe zur Selbsthilfe und für bessere Hygienebedingungen unterstützt.

Hilfe für Minenbetroffene

Krieg herrschte auch lange Zeit in Ost-Bago im Süden von Myanmar. Teile der Region waren für Hilfsorganisationen jahrelang unzugänglich. Kämpfe zwischen den staatlichen Sicherheitskräften und der Karen National Union, einer Organisation der Karen-Minderheit, zwangen große Teile der Bevölkerung zur Flucht. Durch den Einsatz von Landminen ist die verbleibende Bevölkerung bis heute massiv in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt.

Die Johanniter unterstützen seit 2015 von Minen verletzte oder vertriebene Menschen und ihre Familien. Mit finanzieller Hilfe durch das Auswärtige Amt und Aktion Deutschland Hilft konnten die Johanniter gemeinsam mit der lokalen Partnerorganisation „Karen Development Network“ (KDN) das Leben von rund 16 000 Menschen in 40 Dörfern verbessern. Waren die Menschen noch vor wenigen Jahren auf Nothilfe angewiesen, haben sich viele von ihnen heute in Gruppen organisiert, um ihr Leben wieder in die eigene Hand zu nehmen.

Vorsorge gegen Flut und Dürre

Myanmar leidet jedoch nicht nur an den Folgen eines langen bewaffneten Konflikts, sondern es ist auch eines der für Naturkatastrophen anfälligsten Länder weltweit. Nach Honduras wurde das Land von 1995 bis 2014 am häufigsten von Extremwetterereignissen heimgesucht. Durch Wirbelstürme, Überschwemmungen und Erdrutsche waren zwischen 2002 und 2014 rund 13 Millionen Menschen betroffen. Deshalb haben die Johanniter in Zentral-Myanmar im August 2016 ein Katastrophenvorsorgeprojekt begonnen, um besonders betroffene Menschen besser vorzubereiten und zu stärken.

Für eine langfristige Unterstützung in Myanmar sind wir auf Spenden angewiesen. Bitte helfen Sie mit.


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Projektübersicht

Region Projekt Laufzeit Finanzierung
Monywa und Pakokku Townships in Zentral-Myanmar Gemeindebasierte Resilienzstärkung gegenüber Natur- und Sekundärkatastrophen 01.08.2016 - 31.10.2019 Auswärtiges Amt, Spendenmittel ADH
Hlaingbwe Township, Karen Staat Reintegration von Rückkehrern und Resilienzstärkung von konfliktbetroffenen Aufnahme-Gemeinden im Karen-Staat 01.09.2016 - 31.03.2021 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Spenden
Rakhain-Staat Maßnahmen zur Existenzsicherung für marginalisierte Gruppen 01.04.2019 - 31.03.2020 Aktion Deutschland Hilft (ADH)
Bündnispartner der Johanniter: Aktion Deutschland hilft, Gemeinsam für Afrika, VENRO und DZI

Ihre Ansprechperson Nicole Kockmann

Lützowstr. 94
10785 Berlin