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In den vergangenen Jahren haben die Johanniter und die Stiftung Las Golondrinas (FLG)  in der kolumbianischen Metropole Medellín zwei große Kinderzentren errichtet. Ihr besonderer Ansatz hatte geholfen, von Gewalt geprägte Stadtviertel zu transformieren und zu einen. Vor drei Jahren wagte die FLG den Sprung aufs Land. In der Provinz Córdoba hat sich seitdem einiges geändert.

Nach schwerer Krankheit wieder auf der Höhe: Steven und seine Erzieherin Maria Alejandra in Montelíbano. ©Johanniter/Ramm

Die Erzieherin Maria Alejandra klopft an die Metalltür. Kaum öffnet sie sich, kommt Steven herausgestürmt, springt der Erzieherin in die Arme und küsst sie auf die Wange. Beide kämpfen mit den Tränen. Wenige Tage zuvor kämpfte Steven vor allem gegen den Tod. Er erkrankte an Dengue, hohes Fieber und Organversagen zwangen die Ärzte zu einer pessimistischen Diagnose. Wir durch ein Wunder hat es der fünfjährige Junge geschafft und ist seit zwei Tagen wieder in seinem Zuhause in der Kleinstadt Montelíbano.

Durch die Tage auf der Intensivstation verpasste der Kleine seine Abschlussfeier. Vor ihm liegt jetzt die Vorschule, hinter ihm zwei Jahre der wichtigsten Phase eines Kindes, um sich zu entwickeln. „Als Steven damals zu uns kam, war er sehr introvertiert und wurde schnell aggressiv“, erinnert sich Maria. Heute sei das ganz anders. Nicht nur der Junge habe einen Wandel durchgemacht, sondern auch die Kita und viele Erzieherinnen in der Kleinstadt Montelíbano.

Gegen alle Widerstände

Kleine WCs für kleine Menschen: Die kindgerechte Erneuerung der sanitären Anlagen in zahlreichen Kitas war nur eine Komponente des Projekts. ©Johanniter/Ramm

Vor drei Jahren entschied sich die Johanniter-Auslandshilfe, die kolumbianische Stiftung Las Golondrinas in Córdoba zu unterstützen. Die Aufgabe: 22 Kitaeinrichtungen in der Provinz Córdoba sollten in ihrer Infrastruktur verbessert werden. Die öffentlichen Kitas werden in Kolumbien von der staatlichen Familienfürsorge ICBF gemanagt oder von externen Organisationen verwaltet. Doch aufgrund von Misswirtschaft, Korruption oder fehlenden Geldern waren viele Kitas in einem desolaten Zustand. Toiletten wurden nun renoviert und an die Bedürfnisse der Kinder angepasst. Neues Spielzeug, Regale, Geschirr und Küchengeräte verbesserten die Bedingungen grundlegend.

„Als wir die Arbeit begannen, stießen wir auf viel Widerstand und Skepsis“, erinnert sich Gabriela Santos, welche die Stiftung Las Golondrinas leitet. Zulieferer für die täglichen Mahlzeiten der Kinder stellten überhöhte Preise in Rechnung oder lehnten den Verkauf an uns ab. Im Laufe der Zeit und nach viel Aufklärungsarbeit fanden sich Lösungen und die Kitas von den Golondrinas konnten das liefern, was den Kinder zusteht: Ausgewogene und gesunde Mahlzeiten.

Rechte für Kinder und Erzieherinnen gleichermaßen

Maria Alejandra (re.) war eine von rund 80 Erzieherinnen, die zum Projektabschluss ein Zertifikat erhalten haben. ©Johanniter/Ramm

Mindestens genauso wichtig war jedoch die Transformation innerhalb des Personals. „Wir vermittelten den Erzieherinnen spielerische Ansätze, die sie so zuvor nicht kannten. Damals passten sie auf die Kinder auf. Heute entwickeln sie aktiv deren Fähigkeiten, indem die Kinder ihr Interesse an Themen bekunden, welche sie dann spielerisch erforschen und entdecken können“, sagt Santos. Gerade die Anerkennung des Personals liegt der Stiftung am Herzen. „Ich habe kürzlich einen Anruf einer Erzieherin bekommen, die sich bei uns dafür bedankt hat, weil wir ihren Lohn pünktlich bezahlen“, ärgert sich Santos. Das ist genauso ihr Recht wie das der Kinder, eine gute Erziehung und Betreuung zu erhalten.

Krönender Abschluss der dreijährigen Arbeit war eine Zeremonie für mehr als 80 Erzieherinnen in Montelíbano. Sie erhielten für die Änderungen in ihren Kitas eine Urkunde, auch Maria Alejandra. Eine Auszeichnung für Steven hält sie noch vor ihm geheim. „Übermorgen werden alle Eltern, Kinder und Erzieher zu ihm nach Hause kommen, um ihm für den Übergang in die Vorschule zu gratulieren“, verrät sie lächelnd. In drei Jahren wurde aus einer tristen Kita eine große Familie, die zusammenhält.

Das Projekt wurde finanziell zu 75 Prozent vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt. Der Bericht entstand im Dezember 2018 im Rahmen einer Projektreise.  

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