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Geflüchtete in Uganda: Chance für einen Neustart

Berlin / Kampala, 29. September 2020

Uganda beherbergt Vertriebene aus 13 afrikanischen Ländern. Ein Großteil stammt aus dem angrenzenden Südsudan oder der Demokratischen Republik Kongo, wo politische Krisen, Gewalt und bewaffnete Auseinandersetzungen die Menschen zur Flucht zwingen. Zusammen mit dem lokalen Partner Community Empowerment for Rural Development (CEFORD) unterstützten die Johanniter geflüchtete Familien in einer Flüchtlingssiedlung im Nordwesten Ugandas beim Anbau von Gemüse.

Das Rhino Refugee Settlement ist nur eines von vielen Camps im Westen Ugandas, die bis zu 100.000 Geflüchtete beherbergen. Trotz wirtschaftlicher Instabilität sowie ethnischen, kulturellen und religiösen Spannungen finden sie zusammen mit einheimischen Bewohnern in der Region die Chance für einen Neubeginn. Dieser wird vom Staat unterstützt. „Uganda hat seit 2017 mehr als 1,4 Millionen Flüchtlinge aufgenommen und verfolgt trotz enormer Herausforderungen weiter eine offene Flüchtlingspolitik“, sagt Gilbert Onwonga, Landesbüroleiter der Johanniter in Uganda. Familien erhalten bei der Ankunft ein kleines Stück Land, das oft nicht größer als 8x15 Meter ist. Ein Rettungsanker nach all den Verlusten, aber doch zu wenig, um eine ausgewogene Ernährung mit herkömmlichen Kenntnissen zu ermöglichen.

60 Familien beteiligen sich am Gruppengarten, um neue Anbaumethoden zu testen.

Erlernen von neuen Anbaumethoden im Gruppengarten

Deshalb unterstützen die Mitarbeitenden von CEFORD 60 ausgewählte Familien, sich durch eine gute Bewirtschaftung ihrer Grundstücke besser zu ernähren und sogar einen Lebensunterhalt zu verdienen. Dies geschieht mit Hilfe der Farmer Field School (FFS) Methode. Hier erhalten die Teilnehmenden als Gruppe zwei zu bestellende Felder. Eines wird mit den für die Region typischen Anbaumethoden bewirtschaftet, das andere mit alternativen Ansätzen. So lernen die Teilnehmenden neue Methoden und Möglichkeiten, die sie praktisch anwenden und vergleichen können.

Mariam im Garten der Gruppe.

Die 40-jährige Teilnehmerin Mariam musste mit ihren fünf Kindern aus dem Südsudan fliehen. Obwohl sie zuvor nie landwirtschaftlich tätig war, bewarb sie sich für das Programm und wurde in die Gruppe aufgenommen. Während der Arbeit im Gemeinschaftsgarten wuchs ihr Interesse an der Landwirtschaft und sie begann auch ihr eigenes Stück Land zu bewirtschaften. "Ich habe das Wissen aus dem Gruppengarten auf mein Zuhause übertragen, wo ich inzwischen eigene Gemüsebeete habe. Zusammen mit den Produkten aus dem Gruppengarten ernähren wir uns ausgewogen. Ich konnte durch den Verkauf von Gemüse auch grundlegende Artikel wie Zucker oder Seife erwerben", erzählt Mariam.

Mitarbeitende von CEFORD stehen den Teilnehmenden beratend zur Seite.

Als Gruppe zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen

Mittelfristig plant die Gruppe als Gemeinschaft weiter. Die 24-jährige Vitali Mwenda floh aus der DR Kongo und ist heute Sprecherin der Teilnehmenden. „Bei uns hat sich die Mentalität geändert. Frühere Versuche mit anderen Gruppen scheiterten und davon gingen wir auch dieses Mal aus“, erinnert sich Vitali Mwenda. Doch die enge Zusammenarbeit und Begleitung durch CEFORD macht den Unterschied und lässt die Teilnehmenden heute an einem Erfolg glauben. Nach zwei Schulungen und der Übergabe von Geräten wie Hacken, Rechen und Gießkannen legten alle Hand an. „Nach unserem ersten Verkauf auf dem Markt blieben rund 15 Euro übrig, die wir sofort in neues Saatgut investierten. Da merkten wir, wie wichtig es ist, als Bauerngruppe organisiert zu sein“, sagt Vitali. Die nächste Anschaffung wird ein Dreirad sein, um die Produkte auf den Markt bringen zu können. Mit kleinen Schritten arbeiten Menschen wie Vitali und Mariam zusammen daran, ihr Leben positiv zu verändern.

 

Das hier beschriebene Projekt wurde von Aktion Deutschland Hilft finanziell gefördert und konnte Mitte des Jahres erfolgreich abgeschlossen werden. Unser Partner CEFORD hat im Rahmen eines regionalen Hilfsprojekts die Aktivitäten im Rhino Settlement ausgeweitet. Mit Unterstützung des Auswärtigen Amts erhalten Flüchtlingsfamilien und Einheimische seit August 2020 unter anderem einen verbesserten Zugang zu Gesundheitsdiensten, präventiven und kurativen Ernährungsmaßnahmen sowie zu Trinkwasser.

Was wir weltweit gegen Corona tun

In Uganda und weiteren Projektländern passen wir unsere Projektaktivitäten an, um auf die weltweite Corona-Pandemie zu reagieren.