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Logistik hält Hilfe am Laufen

Berlin, 14. April 2021

Der blockierte Suez-Kanal im März machte es weltweit deutlich: Das Transportwesen ist mittlerweile ein hochsensibles und perfekt getaktetes Unterfangen. Gerät jedoch ein Stein ins Getriebe, drohen ganze Lieferketten zusammenzubrechen. Deshalb kommt es heutzutage in der Logistik nicht auf Muskelkraft, sondern vor allem planerisches Geschick und Führungsstärke an. Auch in der humanitären Hilfe.

Wie kommen Medikamente vom Lagerhaus in entfernte Krankenstationen? Was muss dokumentiert und eingehalten werden? Für die 39-jährige Seçil Kuyucak in der Demokratischen Republik Kongo sind das Fragen, die sie sich und ihrem Team täglich beantworten muss. Die türkisch-kanadische Spezialistin ist für die Logistik und das Lagerhaus des Johanniter-Büros in der Stadt Goma verantwortlich.

Schon vor den Johannitern war sie für Ärzte ohne Grenzen und die Welthungerhilfe im Land tätig. Gerade der Kongo ist auch in logistischer Hinsicht sehr fordernd: „Mit welchen Problemen soll ich anfangen: Den schlechten Straßen, der weitverbreiteten Korruption?“, erklärt Seçil schmunzelnd. Insbesondere in der Provinz Nord-Kivu, in denen die Johanniter mehrere Gesundheitseinrichtungen unterstützen, kommen bewaffnete Konflikte und Ebola-Ausbrüche hinzu, welche die Lage regelmäßig erschweren und verändern.

Genaue Überprüfung vor der letzten Meile

Umso wichtiger sind deshalb möglichst wasserdichte Prozesse. So wird vor der Beschaffung von Produkten für Hilfsmaßnahmen geprüft, ob lizenzierte Händler die gesetzten Mindestanforderungen und Standards erfüllen. Bei Lieferung wird die Qualität und Vollständigkeit vom Logistikteam geprüft. Dafür steht Seçil ihre Kollegin Aimerance Biakuteka zur Seite, die das Lagerhaus verantwortet, bevor die Güter dann auf den Weg gebracht werden. Und der hat es oft in sich.

Aufgrund der Distanzen, schlechter Wetterbedingungen oder fast unpassierbarer Wege müssen die Fahrzeuge oft viele Stunden und Tage zu den Gesundheitsstationen in der Provinz Nord-Kivu zurücklegen. Wenige Kilometer Wegstrecke können Stunden dauern. Nicht ohne Grund gehört die letzte Meile bis zum Hilfeempfangenden aus logistischer Sicht zu den teuersten und aufwendigsten.

Seçil sieht das gelassen. „Jeder Job hat seine Herausforderungen“, sagt sie. Wichtig sei vor allem die enge Zusammenarbeit im Team. Und am Ende, wenn die Hilfsgüter und Medikamente ankommen, sei dies eine sehr erfüllende Aufgabe. „Ich genieße das, trotz aller Herausforderungen.“

Auf humanitäre Herausforderungen vorbereitet

Wie in anderen Bereichen des Lebens gibt es auch in der humanitären Hilfe internationale Qualitätsstandards.