Chemotherapie

Was ist eine Chemotherapie und wie funktioniert sie?

Eine Chemotherapie ist eine Behandlungsform gegen Krebserkrankungen, bei der Medikamente (Chemotherapeutika) eingesetzt werden, um Krebszellen abzutöten oder ihr Wachstum zu stoppen. 

Chemotherapeutika hemmen über verschiedene Wirkmechanismen das Wachstum sich teilender Zellen und können diese so stark schädigen, dass sie absterben. In der Regel werden sie als Infusion über die Vene oder als Tablette gegeben und wirken dadurch im gesamten Körper. 

Krebszellen teilen sich aufgrund bösartiger Veränderungen meist deutlich schneller und unkontrollierter als gesunde Zellen. Deshalb werden sie von einer Chemotherapie besonders stark getroffen. Da sich jedoch auch einige gesunde Zellen - beispielsweise im Knochenmark, in den Haarwurzeln oder der Schleimhaut des Verdauungstrakts - schnell teilen, können auch sie durch die Behandlung geschädigt werden. Dadurch können die typischen Nebenwirkungen einer Chemotherapie entstehen. 

Da in vielen Behandlungsplänen mehrere Chemotherapeutika miteinander kombiniert werden, kann das Risiko für Nebenwirkungen je nach Kombination der Medikamente erhöht sein.

Neue Entwicklungen in der Chemotherapie

Antikörper-Drug-Konjugate (ADCs) sind eine moderne Form der medikamentösen Krebstherapie. Sie kombinieren zwei Wirkprinzipien: einen Antikörper, der gezielt bestimmte Strukturen auf Krebszellen erkennt, und einen daran gekoppelten Wirkstoff. Der Antikörper dient dabei als eine Art „Transportmittel“, das den Wirkstoff möglichst gezielt zur Tumorzelle bringt.

Bei vielen ADCs handelt es sich bei diesem Wirkstoff um ein Chemotherapeutikum. Nach dem Andocken an die Krebszelle wird das ADC von der Zelle aufgenommen. Im Inneren der Krebszelle wird das Chemotherapeutikum freigesetzt und kann dort seine Wirkung entfalten. Dadurch wird die Tumorzelle gezielt geschädigt oder abgetötet.

Funktionsweise von Antikörper-Drug-Konjugaten im Sinne einer Chemotherapie. [Dieses Bild wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und anschließend medizinisch-fachlich geprüft]

Je nach ADC und verwendetem Wirkstoff können zusätzlich auch benachbarte Tumorzellen geschädigt oder zerstört werden, selbst wenn diese die Zielstruktur nur schwach oder gar nicht auf ihrer Oberfläche tragen. Dies wird als „Bystander-Effekt“ bezeichnet.

Der Vorteil dieses Ansatzes besteht darin, dass der Wirkstoff möglichst gezielt zu Tumorzellen transportiert wird. Dadurch können gesunde Körperzellen teilweise geschont werden, auch wenn weiterhin Nebenwirkungen auftreten können. Bei ADCs mit chemotherapeutischen Wirkstoffen ähneln diese Nebenwirkungen häufig denen klassischer Chemotherapien.

Mögliche Nebenwirkungen der Chemotherapie

  • Blutbildveränderungen: 
    Durch die Wirkung auf das Knochenmark kann es zu einem Mangel an verschiedenen Blutzellen kommen: 

    • Anämie(= Mangel an roten Blutkörperchen)
    • Thrombozytopenie(= Mangel an Blutplättchen)
    • Neutropenie(= Mangel an neutrophilen Granulozyten, einer Unterform der weißen Blutkörperchen mit wichtiger Funktion für die frühe Infektabwehr)

    All diese Mangelzustände können in verschiedenen Schweregraden vorliegen. Ein leichter Mangel ist in der Regel unproblematisch, sollte aber in regelmäßigen Abständen nachkontrolliert werden. Bei schweren Mangelzuständen sind ggf. spezifische Untersuchungen oder therapeutische Maßnahmen notwendig.

  • Infektionsrisiko:
    Während einer Chemotherapie besteht ein erhöhtes Risiko für Infektionen. Dieses Risiko ist in der Neutropenie besonders hoch und steigt weiter an, je weniger neutrophile Granulozyten vorhanden sind. In dieser Situation können auch normalerweise harmlose Erreger oder “banale Infekte” (z. B. eine Erkältung) gefährlich werden. Ohne rechtzeitige Behandlung kann sich ein zunächst leichter Infekt rasch verschlechtern und eine intensive medizinische Therapie notwendig machen.
  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung:
    Manche Chemotherapeutika können Übelkeit, Erbrechen oder Verdauungsbeschwerden verursachen.
  • Müdigkeit oder Schwächegefühl:
    Manche Patient:innen können sich während und nach der Behandlung sehr erschöpft fühlen.
  • Haarausfall:
    Da die Haarwurzeln schnell wachsende Zellen enthalten, können sie durch bestimmte Chemotherapeutika geschädigt werden. In der Regel erholen sich die Haare nach Abschluss der Chemotherapie wieder vollständig.
  • Mundschleimhautentzündung (Mucositis):
    Eine Entzündung der Mundschleimhaut kann schmerzhaft sein und es können tiefe Schleimhautwunden entstehen.
  • Appetitlosigkeit:
    Manche Patient:innen verlieren den Appetit oder haben Geschmacksveränderungen.
  • Schädigung der Nervenbahnen:
    Manche Chemotherapeutika schädigen die feinen Nervenbahnen, insbesondere an den Fingern oder Füßen. Dadurch kann es zu Missempfindungen wie einem Kribbel- oder Taubheitsgefühl kommen. Diese Beschwerden treten meist erst im späteren Verlauf der Behandlung auf. In einem solchen Fall kann es notwendig sein, die Dosis eines oder mehrerer Chemotherapeutika zu reduzieren oder auf eine Therapiealternative auszuweichen.

Die Nebenwirkungen der Chemotherapie sind von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt. Sie hängen unter anderem vom eingesetzten Medikament und der behandelten Erkrankung ab. Zusätzlich können einzelne Chemotherapeutika weitere, spezifische Nebenwirkungen verursachen, über die Sie im Rahmen des ärztlichen Aufklärungsgespräches vor Therapiebeginn informiert werden.

Medizinische Unterstützung während der Chemotherapie

Wir begleiten Sie während der Therapie, um Beschwerden früh zu erkennen und bestmöglich zu lindern:

  • Blutbildkontrollen:
    Regelmäßige Bluttests werden durchgeführt, um Veränderungen im Blutbild frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls zu behandeln (z.B. durch Transfusionen oder Medikamente, die die Bildung weißer Blutkörperchen stimulieren).
  • Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen:
    Diese Medikamente werden vor, während oder nach der Chemotherapie verabreicht, um Übelkeit und Erbrechen zu verhindern oder zu lindern.
  • Schmerz- und Entzündungsbehandlung: 
    Medikamente oder Mundspülungen werden verordnet, um etwaig auftretende Schmerzen oder Entzündungen (z.B. der Mundschleimhaut) zu lindern.

Ausführliches Informationsmaterial zu Nebenwirkungen und ihrem Management wird zusätzlich von der Deutschen Krebshilfe zur Verfügung gestellt.

Worauf sollten Sie achten?

Achten Sie auf mögliche Nebenwirkungen und Veränderungen Ihres Befindens. Bei Beschwerden sollten Sie frühzeitig Ihr Behandlungsteam informieren. Typische Warnzeichen können sein:

  • Fieber (Körpertemperatur von 38,0 °C oder höher)
  • Infektzeichen (z. B. Rötung, Schwellung, offene Stellen im Mund)
  • Durchfall
  • Anhaltender Husten oder Atemnot
  • Starke Müdigkeit oder Schwäche

Wenn Sie sich unwohl fühlen, sollten Sie - wenn möglich - Ihre Vitalwerte messen:

  • Körpertemperatur
  • Blutdruck
  • Herzfrequenz
  • Sauerstoffsättigung

Genauere Informationen zur Messung und Einordnung dieser Werte finden Sie im Abschnitt „Therapiemonitoring – Wie wir Ihre Behandlung im Blick behalten“

Unsere Bitte an Sie

Um Sie auch zu Hause bestmöglich zu unterstützen, benötigen wir Ihre aktive Unterstützung. Bitte achten Sie aufmerksam auf Symptome und Veränderungen Ihres Befindens. Kontaktieren Sie uns bei Auffälligkeiten oder wenn Sie sich unsicher fühlen. Wenn Sie die Luscii-App nutzen, sollten Sie Ihre Angaben dort erfassen, damit wir schnell reagieren und Sie während der Therapie bestmöglich begleiten können.

Bei Fragen oder Anliegen sind wir jederzeit gerne für Sie da. Nutzen Sie dafür gerne unser Kontaktformular oder rufen Sie uns bei akuten Problemen direkt an.

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