Mutations- und signalwegspezifische Therapie

Was sind mutations- und signalwegspezifische Therapien und wie funktionieren sie?

Mutations- und signalwegspezifische Therapien nutzen Medikamente, die gezielt bestimmte Strukturen („Zielstrukturen“) von Krebszellen angreifen. Diese Zielstrukturen spielen eine wichtige Rolle für das Wachstum, das Überleben oder die Ausbreitung von Tumoren.

Zu den wichtigsten Zielstrukturen gehören beispielsweise:

  • Genetische Veränderungen (Mutationen), die das Tumorwachstum antreiben
  • Wachstumsrezeptoren auf der Zelloberfläche (z. B. EGFR, HER2)
  • Wachstumsfördernde Signalwege innerhalb der Tumorzelle
  • Botenstoffe, die die Bildung neuer Blutgefäße fördern (z. B. VEGF)
  • Spezifische Oberflächenstrukturen (z. B. CD20 auf B-Zellen des Immunsystems)

Tumorzellen nutzen diese Mechanismen, um sich unkontrolliert zu vermehren und sich im Körper auszubreiten. Mutations- und signalwegspezifische Therapien setzen genau hier an und blockieren diese Prozesse.

Es gibt verschiedene Wirkprinzipien, wie z. B.:

  • Antikörpertherapien: Diese Proteine binden an bestimmte Strukturen auf der Oberfläche von Krebszellen oder an Botenstoffe in ihrer Umgebung. Dadurch können Wachstumssignale blockiert, Tumorzellen für das Immunsystem markiert oder die Blutversorgung des Tumors beeinflusst werden.
  • Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI): Diese meist als Tablette eingenommenen Medikamente greifen innerhalb der Tumorzelle gezielt in krankhaft aktivierte Signalwege ein. Häufig blockieren sie dabei Signalwege, die durch Gen-Mutationen dauerhaft aktiviert sind.

Im Folgenden finden Sie als Beispiel eine Auswahl zugelassener Medikamente:

Wirkstoff Zielstruktur Typische Anwendungsfälle (Auswahl)
Bevacizumab VEGF Darmkrebs, Lungenkrebs, Nierenkrebs
Cetuximab EGFR Darmkrebs, Kopf-Hals-Tumoren
Trastuzumab HER2 Brustkrebs, Magenkrebs
Rituximab CD20 B-Zell-Lymphome
Imatinib BCR-ABL Fusionsgen Chronisch myeloische Leukämie (CML)
Alectinib ALK-Translokation Lungenkrebs (NSCLC mit ALK-Mutation)
Osimertinib EGFR-Mutation Lungenkrebs (NSCLC mit EGFR-Mutation)

Die Weiterentwicklung der Antikörpertherapie

Die ersten Antikörpertherapien nutzten Antikörper, die gezielt an eine einzelne Zielstruktur auf Krebszellen oder Immunzellen binden. Je nach Zielstruktur können Antikörper beispielsweise Wachstumssignale blockieren, Krebszellen für das Immunsystem markieren oder andere krankheitsfördernde Prozesse gezielt hemmen. So blockieren beispielsweise EGFR-Antikörper wichtige Wachstumssignale von Tumorzellen. Antikörper gegen CD20, die gegen B-Zell-Lymphome eingesetzt werden, markieren dagegen bestimmte B-Zellen des Immunsystems, sodass diese von anderen Immunzellen gezielt beseitigt werden.

Mit dem besseren Verständnis der Tumorbiologie wurden immer mehr Zielstrukturen entdeckt und die Antikörpertherapie kontinuierlich weiterentwickelt. Heute gibt es neben den „klassischen“ Antikörpern weitere moderne Therapieformen:

  • Antikörper-Drug-Konjugate (ADCs): Hier ist an den Antikörper zusätzlich ein Wirkstoff (z. B. ein Chemotherapeutikum) gekoppelt. Der Antikörper bringt den Wirkstoff gezielt zu den Krebszellen. Nach der Aufnahme in die Krebszelle wird der Wirkstoff freigesetzt und kann dort gezielt seine Wirkung entfalten. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Kapitel „Chemotherapie".
  • Bi- oder trispezifische Antikörper: Diese Antikörper können gleichzeitig an mehrere Zielstrukturen binden. Dadurch können sie beispielsweise Tumorzellen und Immunzellen direkt miteinander verbinden und so die körpereigene Immunabwehr gezielt gegen den Tumor richten. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Kapitel „Bispezifische Antikörper".

Welche Therapie für Sie infrage kommt, hängt unter anderem von Ihrer Krebserkrankung sowie den im Tumor nachweisbaren Zielstrukturen oder Mutationen ab. Deshalb werden häufig bereits vor Beginn der Behandlung spezielle molekularpathologische Untersuchungen durchgeführt (z. B. auf EGFR, HER2 oder andere Veränderungen im Erbgut der Tumorzellen).

Worauf sollten Sie achten?

Achten Sie auf mögliche Nebenwirkungen und Veränderungen Ihres Befindens. 

Da die genannten Therapieformen auf sehr unterschiedliche Zielstrukturen im Körper wirken, können sich die Nebenwirkungen je nach eingesetztem Medikament stark unterscheiden. Über die für Sie relevanten Nebenwirkungen werden Sie daher im Rahmen des ärztlichen Aufklärungsgesprächs vor Therapiebeginn ausführlich informiert.

Wenn Sie sich unwohl fühlen, sollten Sie – wenn möglich – Ihre Vitalwerte messen:

  • Körpertemperatur
  • Blutdruck
  • Herzfrequenz
  • Sauerstoffsättigung

Genauere Informationen zur Messung und Einordnung dieser Werte finden Sie im Abschnitt „Therapiemonitoring – Wie wir Ihre Behandlung im Blick behalten“.

Unsere Bitte an Sie

Um Sie auch zu Hause bestmöglich zu unterstützen, benötigen wir Ihre aktive Unterstützung. Bitte achten Sie aufmerksam auf Symptome und Veränderungen Ihres Befindens. Kontaktieren Sie uns bei Auffälligkeiten oder wenn Sie sich unsicher fühlen. Wenn Sie die Luscii-App nutzen, sollten Sie Ihre Angaben dort erfassen, damit wir schnell reagieren und Sie während der Therapie bestmöglich begleiten können.

Bei Fragen oder Anliegen sind wir jederzeit gerne für Sie da. Nutzen Sie dafür gerne unser Kontaktformular oder rufen Sie uns bei akuten Problemen direkt an.

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