Für Kinder und Jugendliche
Wir Johanniter unterstützen Kinder und Jugendliche dabei, ihr Potenzial zu entfalten und ihre Chancen auf Bildung und Teilhabe zu verbessern. Beispiele wie der generationenübergreifende Ganztag in Olbersdorf und die inklusive Jugendhilfe JoJu in Bremen zeigen, wie wir junge Menschen individuell begleiten und stärken.
Potenziale ganzheitlich entwickeln
Um gleiche Chancen auf Bildung und Teilhabe zu fördern, begleiten wir die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen — von der Kita über Hort und Ganztag, Hilfen zur Erziehung bis hin zur offenen Jugendarbeit und in unserem Jugendverband. Dabei haben wir auch die Lebenswelten aller Familienmitglieder im Blick. Bei all unseren Diensten und Angeboten steht die Ganzheitlichkeit im Vordergrund — von der Planung über das pädagogische Konzept bis hin zur individuellen Begleitung. Wir setzen uns unermüdlich dafür ein, dass jedes Kind die gleichen Chancen erhält, sein volles Potenzial zu entfalten.
Zahlen und Fakten
Als Kooperationspartner unterstützen wir Schulen bei der Planung und dem Betrieb von Ganztag. Durch individuelle Förderung, Beratung und regelmäßigen Austausch mit Lehrkräften, Eltern und Kindern schaffen wir eine wertschätzende und sichere Umgebung.
Ein Ganztag, der alle gewinnt
GanztagAb August 2026 haben Grundschulkinder einen Rechtsanspruch auf eine ganztägige Betreuung. Darauf sind die Johanniter als freier Träger gut vorbereitet. Das offene Ganztagsangebot der Emil-Ufer-Grundschule im sächsischen Olbersdorf zeigt, dass auch ältere Menschen von der Betreuung profitieren können.
Mehlstaub in der Luft, Kinderlachen im Raum und jede Menge Kekse im Ofen: In Olbersdorf nahe Oybin sind die Kinder los! Seit Mai 2024 besuchen Schülerinnen und Schüler der Emil-Ufer-Grundschule jede Woche ihre Freundinnen und Freunde im Betreuten Wohnen der Johanniter.
Dafür müssen sie gar nicht weit gehen – kurz den Hügel hinauf und schon sind sie da. Mit dabei: Anna Jakob, die das offene Ganztagsangebot (GTA) leitet. „Das Projekt ist richtig wertvoll, denn sowohl die Senioren als auch die Schüler können viel voneinander lernen“, erklärt die Schulassistentin.
Ein wertvoller Austausch
Der kleine Gemeinschaftsraum ist entsprechend gefüllt: Schülerinnen, Seniorinnen und Senioren sowie Mitarbeiterinnen der Einrichtung. Gemeinsam wird viel gelacht, getratscht und gebacken. Interessierte Kinder der 3. und 4. Klasse können am GTA teilnehmen – die Plätze dafür sind heiß begehrt.
Teig fliegt durch die Luft, Zuckerguss klebt an Fingern und auf Tischen. Dank vieler Hände entstehen in Windeseile zwei große Bleche voll mit Keksen, die anschließend noch festlich dekoriert werden. Dass es dabei nicht zimperlich zugeht, gefällt den Bewohnerinnen und Bewohnern. „Jetzt ist endlich mal Leben in der Bude“, freut sich ein älterer Herr. „Es ist toll, wenn die Kinder da sind – das macht immer richtig Spaß!“, fügt eine Mitbewohnerin freudestrahlend hinzu.
Spaß steht im Vordergrund
Auch Betreuungskraft Anja Köhler ist begeistert. „Wir freuen uns sehr, dass die Kinder aus der Grundschule zu uns kommen“, erklärt sie lächelnd. „Es ist eine tolle Abwechslung für unsere Bewohner und auch die Kids haben wirklich Freude an den gemeinsamen Aktionen.“ Natürlich stehen bei den Besuchen nicht nur Backen, Basteln, Kochen oder Spielen auf dem Plan, sondern auch mal spannende Ausflüge ins Umland oder gemeinsame Museumsbesuche – eben das, was Kinder auch sonst gern mit ihren eigenen Großeltern unternehmen.
Wie wichtig solche Angebote sind, weiß auch Schulleiter Gordon Alisch: „Das Projekt zeigt, wie wertvoll Begegnungen zwischen den Generationen sind. Die wöchentlichen Treffen sind ein Gewinn für alle Beteiligten und stärken unsere Schulgemeinschaft nachhaltig.“ Denn nur durch gelebtes Miteinander schaffen wir es, ältere Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren und ein Zeichen gegen Einsamkeit im Alter zu setzen. Die jungen Menschen erlernen wichtige Schlüsselkompetenzen für ihr weiteres Leben, wie den respektvollen und empathischen Umgang mit Seniorinnen und Senioren. Auch 2026 geht es weiter – schon jetzt gibt es viele Ideen für die nächsten Besuche.
Ab August 2026 haben Kinder im Grundschulalter einen Rechtsanspruch auf ganztägige Bildung und Betreuung. Zunächst gilt dieser für alle Kinder der ersten Klassen und wird in den Folgejahren ausgeweitet. Die Angebote sollen soziale Kompetenzen stärken, ungleiche Bildungschancen verringern und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern. Mehr über die Ganztagsangebote der Johanniter erfahren Sie im Themen-Spezial Ganztag und Hort.
Ein sicherer Ort für „Grenzgänger“
Inklusive JugendhilfeDie Johanniter-Jugendhilfe (JoJu) in Bremen bietet Kindern und Jugendlichen mit seelischen, psychischen oder körperlichen Einschränkungen ein sicheres Zuhause. Begleitet von einem festen multiprofessionellen Team können schwer traumatisierte junge Menschen hier einen möglichst selbstbestimmten Platz im Leben finden. Die Einrichtung steht damit Modell für eine inklusive Jugendhilfe.
Ein Alltag ohne Gewalt, liebevolle Zuwendung, ein eigenes Zimmer – für die meisten Kinder ist das selbstverständlich. Nicht so für die zehn Mädchen und Jungen, die seit dem 1. September 2025 in der Wohngruppe der Johanniter-Jugendhilfe, kurz JoJu, in Bremen leben. „Sie haben alle eine sehr schlimme Zeit hinter sich“, sagt Nicole Baumann, Sprecherin des JUH-Landesverbandes Niedersachsen Bremen.
Modellprojekt für eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe
Die JoJu richtet sich an Heranwachsende ab zehn Jahren, die körperlich, geistig oder seelisch beeinträchtigt sind. Die meisten bringen komplexe Diagnosen mit: Autismus, Schizophrenie, Fetale Alkoholspektrum-Störung (FASD). Sie sind traumatisiert, wurden misshandelt, ausgegrenzt oder vernachlässigt. Als „Grenzgänger“ zwischen den Rechtsbereichen der Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII) und dem Teilhabegesetz für Menschen mit Behinderungen (SGB IX) fallen sie im regulären Hilfesystem oft durchs Raster. Die JoJu verfolgt einen inklusiven Ansatz und ist damit bundesweit Vorreiter.
Inklusion bedeutet, dass alle Menschen von Anfang an gleichberechtigt dazugehören: überall und zu jeder Zeit. Und dass sie am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können – unabhängig von Herkunft, Behinderung, Geschlecht oder anderen Merkmalen.
Professionelle Betreuung rund um die Uhr
Die 850 Quadratmeter große Einrichtung im Bremer Osten liegt in direkter Nachbarschaft zu einer Jugendpsychiatrie und einer Klinik. Mit ihren hellen, modernen Räumen bietet sie 13 Heranwachsenden eine freundliche und geschützte Umgebung. Es gibt barrierearme Appartements, Platz für gemeinsame Aktivitäten, Räume für die individuelle Förderung und ein Büro. Die Bewohnerinnen und Bewohner werden rund um die Uhr von einem festen Team aus 33 sozialpädagogischen und Betreuungsfachkräften begleitet.
„Unsere wichtigste Aufgabe ist es, den Leidensdruck der Kinder und Jugendlichen zu verringern und ihnen Lebensfreude zu vermitteln“, sagt Einrichtungsleiter Patrick Harms. Der Tagesablauf wird für jedes Kind individuell geplant. Einige gehen in die Schule, teilweise mit Betreuung, andere verbringen den Tag mit ihrer Bezugsperson – zum Beispiel auf dem Spielplatz, beim Sport oder im Tierpark.
Vertrauen entwickeln, Beziehungen zulassen
„In der kurzen Zeit des Bestehens haben die Kinder schon eine unglaubliche Entwicklung durchgemacht“, berichtet Patrick Harms und führt ein Beispiel an: „Ein Jugendlicher, der noch vor einem Jahr mit der Faust ein Loch in die Wand geschlagen und einen Fernseher durch den Raum geworfen hat, ist heute wieder ansprechbar und lässt sich beruhigen, auch wenn seine Emotionen hochkochen.“ Im alltäglichen Miteinander lernen die jungen Menschen, wieder Vertrauen zu entwickeln und Beziehungen zuzulassen. „Bei uns finden sie das, was sie nie hatten ‒ einen sicheren und stabilen Lebensort.“
Das JoJu ist ein bundesweites Modellprojekt. Es wurde in enger Abstimmung mit den Behörden konzeptionell entwickelt und wird wissenschaftlich begleitet. Mit ihrem inklusiven Ansatz gilt die Einrichtung als Modellprojekt für die Strukturreform der Kinder- und Jugendhilfe. Das neue Gesetz soll Anfang 2028 in Kraft treten und ein inklusives Hilfesystem schaffen.
Häufig gestellte Fragen
Menschen stärken. Ein Leben lang.
Weitere Themen entdecken2025 hat gezeigt, wie wichtig verlässliche Hilfe und Zusammenhalt sind. Blicken Sie mit uns auf ein Jahr zurück, in dem wir Johanniter unsere Arbeit fortgeführt und neue Impulse geschaffen haben.
Sicherheit beginnt mit Vorbereitung
Fokusthema Resilienz
Mit neuen Konzepten für den Bevölkerungsschutz stärken wir Johanniter die Resilienz unserer Gesellschaft und bereiten Menschen darauf vor, in Krisensituationen handlungsfähig zu bleiben.